Plastikfreie Kleidung – Eine Familienherausforderung

Das Thema Bekleidung ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht bei „plastikfrei“ bleibt, wenn man ernsthaft nach umwelt – und gesundheitsverträglichen Alternativen sucht.

Speziell im Bereich Sport- und Freizeitbekleidung sind plastikfreie Varianten äußerst rar (das gute alte Baumwollshirt ist da irgendwie abhanden gekommen),  aber  bei Billigware, muss man sich, auch wenn es sich um Naturfasern handelt, doch noch ein paar andere Fragen stellen.

Einige davon sind mir, gerade weil ich früher immer wieder zu textilen „Schnäppchen“ gegriffen habe, in letzter Zeit verstärkt durch den Kopf gegangen.

Wer verdient eigentlich an einem Baumwollleiberl, das 2 € kostet? Wo kommt es her?

Wie wird die Baumwolle dort angebaut? Welche Mittel werden dabei eingesetzt? Unter welchen Umständen und mit welchen Zusatzstoffen wird so etwas produziert?

Nach allem, was ich in den letzten Monaten über Plastik gelernt habe und mit all diesen Fragen im Hinterkopf hat sich die Freude am Kleiderkaufen in den letzten Monaten bei mir eher in Grenzen gehalten. Was übrigens ein nicht unwesentlicher Beitrag zu unserer positiven Haushaltsbudgetbilanz seit Beginn des Experiments sein dürfte.

Die Tatsache, dass ich mit dem Inhalt meines Kleiderschranks (gleich bleibende Kleidergröße vorausgesetzt) sicher problemlos die nächsten Jahre auskommen könnte, erleichtert diese Konsumverweigerung natürlich.

Nichts desto Trotz: Hin und wieder muss oder möchte man sich mal was zum Anziehen kaufen und unsere Kinder brauchen schon alleine wachstumsbedingt alle paar Monate „neue“ Sachen. „Neu“ ist in diesem Fall allerdings ein dehnbarer Begriff. Ich versuche nämlich schon seit längerem, keine Kleidung neu zu kaufen, bei der ich zumindest den begründeten Verdacht habe, dass sie unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen und mit Umwelt schädigenden Produktionsmethoden hergestellt wird. Speziell Billigprodukte aus China, Indien,…usw. fallen damit also für gewöhnlich weg. Das hat allerdings nicht nur „weltverbesserische“ Gründe – sondern ich will einfach auch nicht, dass unsere Kinder und wir selbst Kleidung tragen, die Chemikalien und Farbstoffe in unkontrollierter (und wahrscheinlich auch unkontrollierbarer) Menge und Vielfalt enthält und wahrscheinlich extra noch mal chemisch behandelt werden musste, um die langen Transportwege heil zu überstehen. Für mich ist das wieder einmal so eine unnötige „Quelle der Ungesundheit“, die man im Grunde relativ einfach vermeiden oder zumindest drastisch reduzieren kann.

Speziell bei Kinderkleidung haben wir zum Glück schon seit jeher eine für uns perfekte Alternative gefunden: Wir tauschen, schenken weiter und bekommen geschenkt!

Einerseits ist das eine sehr nachhaltige Methode, da Kindergewand (vor allem bis zu einem gewissen Alter) ja meistens zu klein wird, bevor es wirklich „aufgebraucht“ ist. Unser jüngster Sohn Leonard, hatte tatsächlich schon Kleidungsstücke, die vor ihm schon  4 bis 5 Kinder getragen hatten, die immer noch völlig in Ordnung waren, nachdem sie ihm zu klein geworden waren und somit an jüngere Kinder in unserem Freundeskreis weitergegeben werden konnten.

Abgesehen davon ist es eine äußerst günstige bzw. kostenlose Variante und für mich ist es ein gutes Gefühl, dass aus den gebrauchten Kleidungsstücken sicher schon ein Großteil der Schadstoffe heraus gewaschen ist.

Es zahlt sich meiner Meinung nach also in jeder Hinsicht aus im Freundes- und Bekanntenkreis ein solches System der „Kleiderweitergabe und – Verwertung“ zu initiieren.

Unsere Kinder haben jedenfalls nach wie vor Freude am Durchstöbern der bunten Kleiderberge. Überzählige Stücke mustere ich aus und bringe sie in Secondhandshops. Flohmärkte und Secondhandshops sind im Übrigen auch ein guter Tipp für diejenigen, die sonst keine Möglichkeit zum Weitergeben oder Tauschen von Kleidung haben.

Ein weiterer großer Vorteil an dieser Geld- und Ressourcen schonenden Alternative besteht darin, dass man beim Kauf von wirklich neuen Produkten durchaus mehr Geld ausgeben und auf  gute (plastikfreie!) Qualität und nachhaltige Produktionsmethoden achten kann.

Bei Schuhen sowie Alltags- und Kinderkleidung gibt es nämlich schon recht viele Firmen, die sich auf Naturmaterialien (teilweise sogar aus biologischer Erzeugung) und schonende Verarbeitungsmethoden spezialisiert haben (siehe Alternativprodukte).

Aber auch bei Sport- und Funktionskleidung habe ich Alternativen gefunden.

Das Funktionsshirt aus spezieller Merinoschafwolle, das Peter heuer zu Weihnachten bekommen hat, stammt aus einem kleinen Spezialgeschäft für Bergsport und Campingartikel, aber ich habe mittlerweile auch in der Sportabteilung von größeren Kaufhäusern ähnliche Artikel gefunden.

Die zugegebener Maßen nicht ganz billige Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt und zwar nicht nur deshalb, weil Peter jemand ist, der Kleidungsstücke wirklich buchstäblich restlos aufbraucht.

Das Shirt ist  angenehm auf der Haut, lädt sich nicht statisch auf und vor allem: Es stinkt nicht!! Und zwar auch  nach mehrmaliger intensiver Verwendung nicht, wenn man es nach dem Gebrauch eine Zeit lang auslüftet.

Ein wirklich sehr entscheidender Vorteil zu der sehr gebräuchlichen „Plastikfunktionswäsche“, die in manchen Discountmärkten zu allem Überfluss auch noch in Plastik verpackt angeboten wird!

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27 Gedanken zu „Plastikfreie Kleidung – Eine Familienherausforderung“

  1. ja, das tauschen hat mehrere gute aspekte:

    * weniger – unnötiger – müll
    * budgetentlastung
    * bewussterer umgang
    * soziale komponente

  2. ich habe ein kleines kind, wohne ziemlich weit außerhalb von graz und bestelle daher babykleidung. man kann bei perviva auch bestellen aber bisher habe ich öfter bei hessnatur bestellt. gibt es einen grund warum sie hessnatur als alternative nicht erwähnen? hat hessnatur einen haken von dem ich vielleicht wissen sollte? wir waren bisher eigentlich ganz zufrieden… lg

    1. Liebe Dorli!

      Nein, es gibt dafür keinen speziellen Grund. Mir liegt es eigentlich sehr am Herzen, möglichst viel alternative Firmen und Produkte zu finden. Perviva hat sich offenbar aber dafür interessiert, auf in diesen Blog zu kommen. Aber es gibt in diesem Bereich auch noch viele andere Firmen, die ähnliche Qualitätskriterien haben.

      LG sandra

  3. Hallo Sandra
    Das ist ein ganz toller Beitrag über die plastikfreie Kleidung. Du hast auch recht, dass man bei Baumwollkleidung sehr aufpassen muss. Wir sind im Werbeartikelbereich tätig und versuchen, hier alternative Lösungen zu finden. Tatsache ist, dass ein 2 EUR shirt gar nicht ökologisch und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht sozial nachhaltig hergestellt werden kann. Es gibt „langsam aber sicher “ einige Alternativen, z.B. durch shirts aus Bio-Baumwolle, die fairtrade zertifiziert sind. Damit sind zumindest einige „schlechte“ Kriterien eliminiert: Die chemische Düngung, die Ausbeutung der Arbeiter/Innen, die Wasserverschwendung und die Verschmutzung durch Chemicalien beim Produktionsprozess des Gewirkes und bei der Veredlung der Textilien etc. Die langen Transportwege (die Sachen kommen einfach meist aus Fernost) sind damit noch nicht weg – aber das ist definitiv die kleinere Belastung als die ersten paar Punkte. Die Entwicklung geht auch stark in Richtung Biokunststoffe, hier ist doch noch einges (hoffentlich gutes) zu erwarten. Nochmal Danke für Deinen Beitrag. Lg. Manfred

  4. Danke, daß du das Thema Kleidung aufgreifst.
    Ein Punkt, der in Sachen Kleidung aus konventioneller Baumwolle noch nicht angesprochen wurde, ist die Tatsache, daß ein Großteil dieser heutzutage gentechnisch verändert ist – die Bauern sind gezwungen, die teuren Pestizide für jene Pflanzen von Monsanto zu kaufen und geraten in eine ziemlich schlimme Abhängigkeit – die Suizidraten in diesen Gebieten ist in den letzen Jahren enorm gestiegen.
    Von daher sind diese von dir angesprochenen Tauschkreisläufe wirklich eine tolle Sache.
    Viel Glück weiterhin!
    Tini

  5. Hallöchen,
    schön, dass hier das Bekleidungs-Thema mal zur Sprache kommt. Vor allem im Sportbereich haben sich „Funktions“-Bekleidungen aus Plastik ja total durchgesetzt. Ich habe mich schon vor einiger Zeit mit dem Thema beschäftigt und kaufe aus Mangel an Alternativen seit 6 Jahren ausschliesslich auf dem Flohmarkt meine Bekleidung. Bio-Baumwolle ist super wegen der ausbleibenden Pestizide, der unglaublich hohe Wasserverbrauch, der z.B. den Aral-See fast komplett ausgetrocknet hat, bleibt (http://www.schule.bremen.de/schulen/altes_gym/wasserprojekt/aralsee/lang_aralsee.htm). Merino Wolle ist für mich auch nur eine Alternative, wenn man sicher sein kann woher die Wolle stammt. Die meisten Merino-Schafe gibt es leider in Australien & Neuseeland, wo das Mulesing (eine vom Staat tolerierte Tierquälerei, bei der tellergroße Stücke Fleisch von den Hinterteilen der Schafe entfernt werden, um Wurmbefall zu bekämpfen. Mehr dazu unter:
    http://action.peta.de/ea-campaign/clientcampaign.do?ea.client.id=44&ea.campaign.id=6544
    Wenn ihr also eine Quelle wisst, wo Merinoschaf-Wolle verarbeitet wird, bei der die Schafe nicht leiden müssen: SUPER, dann nennt doch bitte die Quelle.
    Danke für die wirklich inspirierende Seite und Eure Vorreiter-Rolle. Es werden immer mehr Menschen wach, dank Leuten wie Euch!
    Janine

  6. Hallo
    hat jemand Informationen, welche (schädlichen) Stoffe bei der Produktion von sog. Funktionskleidung überhaupt eingesetzt werden oder enthalten sind (meistens ja Polyamid, Nylon, …)?
    Wäre für eine Info sehr dankbar!
    Gruß
    Christian

  7. Lieber Christian!

    Meine Antwort kommt deshalb so spät, wiel ich leider bisher keine wirklich brauchbare Informationsquelle zu deiner Frage gefunden habe.
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man die Frage überhaupt allgemein beantworten kann, da die unterschiedlichen Hersteller ja auch unterschiedlichste Zusatzstoffe verwenden.

    Ganz allgemein habe ich aber bei Kleidung (auch aus Naturmaterialien) das Gefühl, dass sowohl Farb- als auch sonstige Zusatzstoffe teilweise alles andere als gesundheits- und umweltverträglich sind.
    Daher ist der einzige Rat, den ich Dir guten Gewissens geben kann, sich ganz gezielt nach Produkten aus biologischer Produktion und sofern sie von weit her kommen mit Fair Trade Zertifikat umzusehen.

    Falls ich doch noch zu genaueren Informationen bezüglich deiner Frage komme, werde ich es dich wissen lassen.

    LG Sandra

  8. Hallo!

    Habe vor dem Wochenende einen neuen (Herbst/Winter) Katalog von „Waschbär“ bekommen. Wenn die halten, was sie versprechen, gibt es da so einiges an Baumwolle/Wolle aus kontrolliert biologischem Anbau oder Tierhaltung. Auch so einiges an Kosmetik und Hauhaltswaren. Falls dieser Versand noch nicht erwähnt wurde, vielleicht für den ein oder anderen eine Alternative…. Oder hat jemand da schlechte Erfahrungen mit gemacht ?

    Liebe Grüsse Eva

  9. Hallo!

    Bin erst vor kurzen auf ein Problem gestossen: Badehosen gibt es meines Wissens nach nur aus oder mit Kunststoffen. Kann mir vielleicht Wer Alternativen nennen, solange es nicht eine „normale“ kurze Hose aus Stoff ist, auf die wär ich selber schon gekommen.

    1. ist ein guter ansatz ( aus meiner sicht ja sowieso 😉 ) die green olympia geschichte, aber mit kunststoffrei haben die sachen nichts zu tun, die bikinis sind ja aus recycelten PET Flaschen hergestellt.

      http://www.greenbay-olympia.de/de/story.php

      ich finds super und sinnvoll, weil kunstfaser für bademoden mMn einfach besser funktioniert und der recyclingansatz passt. zum thema hier ( kunststofffrei) passts aber nicht wirklich

  10. Ich habe doch auch nochmal eine Frage:

    wie handhabt ihr es mit Regensachen und Gummistiefeln?
    Jetzt ist die Saison ja wieder im vollen Gange und ich bin mir nicht sicher, ob es irgendwelche Alternativen als Regenbekleidung gibt?
    Mir fällt nichts ein, kann mir da jemand helfen?
    Zumal die Gummistiefel meiner Kinder durchs Toben nach 1 Saison meistens schon Risse aufweisen. Also zum Wegwerfen verdammt sind.

  11. Hallo Keowyn!

    Tja, das ist wirklich ein schwieriges Thema. Bei Schuhen ist es schon so schwierig genug, erschwingliche Modelle für Kinder aus natürlichen Materialien zu bekommen, sobald sie dann auch noch wasserdicht sein sollen, kommt man um Kunststoffe kaum mehr herum. Unsere Kinder sind aus dem „Gummistiefelalter“nun eigentlich schon herausen, aber ihre Wanderschuhe (Goretex!) sind natürlich auch nicht plastikfrei!
    Ich finde in diesen Bereichen sind manchmal Kompromisse notwendig.
    Auch bei Gummistiefeln gibt es nämlich beträchtliche Qualitätsunterschiede. So haben zum Beispiel ein Paar Gummistiefel von Vega Nova (Spezialschuhgeschäft in Graz), die ich schon von 2 Kindern gebraucht übernommen habe, locker meine 3 Kinder überlebt (trotz durchaus heftiger Beanspruchung) und danach konnten auch noch meine Nichte und mein Neffen sie noch nachtragen. Ich weiß nicht sicher , ob sie noch existieren, aber nach mindestens 7 Kindern, war diese etwas höhere Investition auf jeden Fall sinnvoll.
    Bei Regenbekleidung ist es ähnlich. Wachsjacken oder dergleichen habe ich noch nicht ausprobiert, da wir zur Zeit noch ausreichend mit Regenbekleidung versorgt sind. Aber auch hier gilt auf jedenfall die Devise eher hochwertigere Qualität zu kaufen und diese dafür wirklich lange zu benutzen.
    Leider kann ich Dir sonst keinen „Geheimtipp“ für plastikfreie Regenbekleidung geben. So wenig wie möglich davon zu kaufen und sie möglichst weiter zugeben, wenn sie zu klein geworden ist, ist das beste, was mir dazu einfällt.
    Aber vielleicht hat ja sonst jemand noch eine Idee dazu….

    LG Sandra

  12. Hallo Sandra,

    danke für deine liebe Antwort.
    Ich habe heute mal geforscht und zumindest ein bißchen was gefunden.
    Es gibt Gummistiefel aus Naturgummi (Naturkautschuk) von der Firma Playshoes und CeLaVie und wohl auch Buundgard.
    Da werde ich dann mal probetesten und berichten, wie haltbar die sind.

    Regenjacken und Hosen habe ich noch keine Akzeptablen gefunden, aber sollte ich noch Glück haben, poste ich es hier noch.
    Wachsjacken können wir uns nicht leisten, leider. Aber ich habe zwei Mädels in der gleichen Größe, da ist das neu nicht drin und im Second Hand Laden finde ich solch ein Schmuckstück wohl nicht.
    Aber ich halte die Augen offen.

    1. Hallo Keowyn!

      Genau von der Firma Buundgard waren auch die von mir beschriebenen Gummistiefel (mir ist vorher nur der Firmenname nicht mehr eingefallen.)
      Wünsch Dir viel Glück und bin schon gespannt auf deine Erfahrungen.

      LG Sandra

  13. Hallo!
    Ich habe vor ein paar Tagen einen etwas älteren Bericht über selbst gehäkelte Unterwäsche gesehen.
    In Bulgarien [(?) oder Ungarn oder so] häkeln in einem kleinen Dorf die Frauen Stringies und auch andere Unterwäsche Modelle. Das wäre auch eine kunststofffreie Alternative zur normalen Unterwäsche.

    LG
    Nina

    1. Hallo Nina!

      Das klingt sehr verlockend! ich hab selber schon mal überlegt, Unterwäsche zu häkeln – falls ich wirklich mal dazu komme, werde ich ganz sicher ein Foto davon auf diesen blog stellen..:-)

      Lg sandra

  14. Hallo! Erstmal ein großes Lob für Ihre Bemühungen und die vielen guten Tipps! Seit „Plastic Planet“ versuche auch ich, meinen Plastikkonsum und die Verwendung dieses Materials allgemein einzuschränken.
    Zum Thema Textilien möchte ich an dieser Stelle meine Erfahrungen beitragen.

    Da ich eine Ausbildung zur Damenkleidermacherin absolviert habe, weiß ich um die oft furchtbaren Zustände in der Bekleidungsindustrie, v.a. in Fernost. Glücklicherweise hatte ich eine tolle Lehrerin, die uns auf die Gefahren von Schadstoffen in Textilien und auch auf mögliche Alternativen hingewiesen hat. Ein großes Problem sind neben dem Einsatz von Pestiziden und dem hohen Wasserverbrauch beim (Baumwoll-)Anbau auch die teils giftigen Farbstoffe und Chemikalien, mit denen Textilien im Laufe des Herstellungsprozesses belastet werden. Diese können Allergien und weit schlimmeres auslösen! Aber auch für die Menschen, die an der Herstellung solcher Textilien mitwirken, stellen diese Schadstoffe eine gesundheitliche Belastung dar. Zudem werden diese Leute schlecht entlohnt (etwa 1% des späteren Verkaufspreises!!). Dass Naturfasern nicht immer das Gelbe vom Ei sind, stimmt also. Man sollte auch darauf achten, unter welchen Bedingungen sie hergestellt und womit sie behandelt wurden. (Gleiches gilt für tierische Fasern.)

    Zum Glück gibt es auch auf diesem Sektor Bemühungen, sich gegen die unwürdigen und unzumutbaren Zustände zu stellen. Auch hier gilt: Jeder kann beitragen, auch wenn es nur kleine Schritte sind! Am Ende dieses Beitrags werde ich ein paar weiterführende Links anfügen, die einen Klick wert sind 🙂

    Leider ist in der Gesellschaft noch nicht genug Aufklärung geleistet worden. Aber auch die „Wegwerf-Mentalität“ der meisten Leute macht mich regelmäßig wütend und traurig zugleich. Viele gehen einfach viel zu gedankenlos mit diesem Thema um. Alles ist verfügbar, und die Werbung suggeriert, dass man immer das „neueste“ und „beste“ Produkt besitzen muss. Das ist im Textilbereich nicht viel anders als bei Plastikprodukten (oft sogar schlimmer, da sich die Mode so rasch immer wieder verändert). Viele kaufen sich ein T-Shirt um 4 Euro, das sich nach dem dritten Mal Tragen und/oder Waschen auflöst, um es dann wegzuwerfen und ein neues oder „modischeres“ zu kaufen, anstatt einmal in ein zwar etwas teureres, aber dafür hochwertigeres und langlebigeres (sowie zeitloses) Produkt zu investieren. Wo sind die Zeiten, da man Dinge zu schätzen wusste? Brauchen wir wirklich 30 Leiberl im Kleiderkasten? Brauchen wir in jeder Saison fünf neue Hosen, obwohl die alten noch gut sind? Ich habe das an mir selbst beobachtet: Ich besitze zugegebenermaßen eine Menge Kleidungsstücke, aber meine Lieblingssachen, die ich tatsächlich regelmäßig anziehe, beschränken sich auf vielleicht 15 Stück, vieles davon besitze ich schon seit Jahren. Wenn ich in einem Geschäft stehe und überlege, ob ich mir ein bestimmtes Teil jetzt kaufen soll oder nicht, versuche ich mich immer zu fragen: Brauche ich das wirklich? Muss das jetzt sein? Und meistens lautet die Antwort: Nein!! Angesichts der oft ziemlich schlechten Verarbeitung und Qualität von Billig-Kleidung fällt diese Entscheidung nochmal leichter. Ich kaufe mir ab und zu etwas neues, ja. Aber ich wäge ab. Mittlerweile haben auch (früher leider manchmal negativ besetzte, belächelte) „Öko-Mode“-Hersteller ziemlich viele schöne Sachen, auch für die jüngere Generation. Müssen wir jedem Trend hinterherjagen? Ich persönlich finde Individualität viel erstrebenswerter, als immer nachzuäffen, was von der Werbung oder so genannten „Mode-Ikonen“ vorgekaut wird. Daher entscheide ich mich bewusst auch mal für ein Produkt aus biologischem Anbau. Man weiß solch „edlere“ Textilien auch viel mehr zu schätzen, finde ich. Ich bin außerdem in der glücklichen Lage, nähen zu können, daher repariere und ändere ich auch mal meine alten Sachen – etwas, das auch fast gänzlich verschwunden ist, denn heutzutage kaufen sich die meisten Leute einfach ein neues Produkt, anstatt zu versuchen, aus dem alten noch das Beste herauszuholen. Schade, irgendwie… so ließe sich nämlich nicht nur Geld sparen, sondern auch Müll. Kleidung, die mir nicht mehr gefällt, verschenke ich, damit jemand anders noch Freude daran hat.
    Eigentlich sollten faire und schadstofffreie Textilien ja nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein, aber bis dahin ist es sicher noch ein weiter Weg…
    So… nun aber zum wirklich interessanten Teil dieser meiner Wort-Flut 😀

    Beim Einkaufen von Textilien kann man auf verschiedene Siegel achten, z.B. GOTS (Global Organic Textile Standard), das FairTrade-Siegel oder den Öko-Tex-Standard. Hier findet man sie genauer beschrieben: http://www.oeko-mode.info/Qualitaetszeichen/
    Auch sehr engagiert im Bereich „faire Arbeitsbedingungen“ ist die Clean Clothes Kampagne: http://www.cleanclothes.at/
    Über http://www.modeaffaire.de/einkaufen/ findet man zahlreiche Hersteller ökologischer Kleidung verlinkt.
    Für „SelbermacherInnen“ sei noch auf folgende Linkliste verwiesen: http://www.umweltberatung.at/start.asp?ID=13183&b=3540 – ökologische und z.T. fair gehandelte Stoffe und Garne.

    Persönliche Erfahrungen habe ich mit Hess Natur. Die Kleidung ist relativ gut verarbeitet (habe bisher allerdings nur Wäsche und Strümpfe bestellt); leider etwas teuer fürs StudentInnenbudget, aber wenn man auf Aktionen und Schnäppchen achtet, kann man das eine oder andere Teil zu ökonomischeren Preisen ergattern 😀
    Leider, leider, leider kam die bestellte Ware bisher immer in Plastiksackerln verpackt. Das äußere Paket an sich war löblicherweise aus Papier, aber innen war jedes Teil einzeln in Plastik. Trotzdem ist mir das immer noch lieber als Schadstoffe, die ich dann auf der Haut trage…

    Jedenfalls werde ich weiter versuchen, mich für verbesserte Arbeitsbedingungen und schadstofffreie Textilien einzusetzen, indem ich ökologische und faire Unternehmen unterstütze – auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist, den ich damit leiste.
    Dasselbe gilt für eine plastikfreie Umwelt. Vielen Dank nochmal für dieses tolle Experiment, das so viele Menschen inspiriert und auch mir Mut gemacht hat, es zu versuchen, auch wenn ich in meinem Umfeld damit noch auf taube Ohren stoße. Liebe Grüße aus NÖ!

  15. Hallo,
    ich finde den Bericht richtig gut. Danke dafür!
    Da ich auch versuche auf Plastik wann immer es geht zu verzichten und zusätzlich noch Veganer bin, hatte ich letztens ein Problem. Ich wollte mir eine Geldbörse kaufen und musste entsetzt feststellen, dass es diese eigentlich nur aus Leder (was ich ablehne) oder aus Plastik gibt.
    Also habe ich mich auf die Suche nach einem anderen Material gemacht. Und siehe da: es ist Hanf.
    Es gibt alles mögliche an Kleidung mittlererweile aus Hanf sogar Schuhe und eben Geldbörsen.
    Ich werde das demnächst mal ausprobieren. Hat schon jemand anderes Erfahrung damit? Würde mich freuen davon zu hören. Insbesondere Schuhe aus Hanf würden mich interessieren, da ich dort ja das gleiche Problem habe wie mit der Geldbörse.
    Viele liebe Grüße

    1. Hallo Kai!

      Das die Kombnation aus veganer und „plastikfreier“ Lebensweise ziemlich schwierig ist, habe ich schon bald nach Beginn unseres Experiments bemerkt. ich bin zwar selber keine Veganerin, aber ich kenne doch einige und abgesehen davon, war es teilweise schon ziemlich schwierig vegeatrische Lebensmittel (Sojaprodukte,..usw.) plastikfrei zu bekommen.
      Hanf war auch für uns schon immer wieder eine gute Lösung (speziell was die Schuhe der Kinder anbelangt. Meine Erfahrungen damit sind sehr positiv. Die Schuhe, die von den Kindern ja doch recht intensiv beansprucht werden, sind sehr robust und stabil und sie entsprechen glücklicher Weise auch den modischen Ansprüchen meiner Kinder. Im Vergleich zu Baumwolle ist auch die Hnafpflanze offensichtlich viel robuster und dadurch werden kaum Pestizide eingesetzt – was ja beim konventionellen Baumwollanbeu eines der Hauptprobleme darstellt!

      Also, viel Spass beim Ausprobieren!
      LG Sandra

    2. Hallo Kai,

      Von der Firma „Waldviertler“ gibt es vegane Schuhe. Kann man bei GEA kaufen. Grundsätzlich sind diese Schuhe toll, ich hoffe dass die vegane Variante nicht aus Kunststoffen besteht.

      LG Anita

  16. Interessehalber habe ich einmal gegoogelt und tatsächlich recht bald einen Schuh gefunden, der nicht nur frei von Leder, sondern auch von Kunststoff ist:

    http://www.waschbaer.de/Hanf-Schuh-fuer-SIE-IHN–201d3a49649,175187.html

    Problematisch: Die Gummiproduktion ist – begonnen bei den Latexbaumplantagen – auch nicht ohne und wie die Produktionsbedingungen in China sein mögen bei diesen Schuhen, weiß der Geier.

    Allerdings muss man auch mal nen guten Schuss Pragmatismus an den Tag legen und sich sagen: Ich gehe hie und da Kompromisse ein, wenn der üblicherweise verwendete Werkstoff für ein Produkt bei allen Nachteilen auch handfeste Vorteile hat, die imho überwiegen. Kautschuksohlen (und damit auch der Schuh) dürften um ein Vielfaches länger haltbar sein als das Pendant aus Kunststoff und Kunstleder.

    Ansonsten bliebe noch die Möglichkeit, sich einmal mit einem Schuhmachemeister anzufreunden – einem, der sein Handwerk noch versteht und nicht sein Hauptgeschäft mit dem Anfertigen von Zweitschlüsseln macht! Der könnte einem Schuhe und Stiefel und Sandalen zB mit Kork- oder Holzsohle anfertigen oder eben aus Kautschuk, der Bio angebaut wurde, falls es sowas gibt.
    Aus der Not sind schon die besten Geschäftsideen geboren worden!

  17. Hallo,

    ich lese gerade mit großem Interesse und Begeisterung ihr Buch, da ich schon seit längerem begonnen habe Kunststoffe in unserem Haushalt, wo möglich, nach und nach zu ersetzen. Erneut verschärft wurde dieses Vorhaben durch unsere Heilpraktikerin, die mich darauf hinwies, das Babys und Kinder bis eineinhalb Jahren unter keinen Umständen mit Plastik in Kontakt kommen sollten. Sie kaufte z.B. aus diesem Grund Hornlöffel bei der Firma Manufaktum für ihre Enkel, als Ersatz für Plastiklöffel.
    Doch zurück zur Kleidung. Da ich gerade bei Ihrem Kapitel Weihnachtsgeschenke angelangt war, fragte ich mich ob sie schon von folgendem Hersteller gehört haben: eine bei uns sehr beliebte Alternative zu Synthetik Funktionskleidung sind die Produkte der Firma Engel Natur, die hier bei uns in der Nähe (Schwaben) produzieren. Dort erhältlich sind Baumwoll, Wolle Seide und Merinowolle Kleidung für alle Alterstufen. Diese Firma produziert z.B. auch für Hess Natur. Die dort erhältlichen Wollshirts sind in schönen Farben und Schnitten für jede Jahreszeit erhältlich und ich kann sagen, dass sie bei guter Pflege ewig gut aussehen. Meine Kinder tragen die Sachen von September bis April, im Naturkindergarten und keins hat jemals gefroren. Kein anderer „Stoff“ ist so atmungsaktiv, wärmend und angenehm auf der Haut zu tragen. Für Kleinkinder gibt es ausserdem tolle Wollwalksachen von der Firma Disana, die ebenfalls hier produziert, auch die produzeiern für Hess Natur. Für diese Sachen gelten die gleichen Qualitätsmerkmale. Bei Engel kann man auch eine geringe Auswahl im Internet bestellen. Die Sachen mögen zwar beim ersten Einkauf teurer sein, aber sie halten wie gesagt ewig. Nur vor Motten muss man sich halt in acht nehmen.
    Im Gegensatz zu Syntetikfleece, wärmt Wolle auch wirklich, fängt aber nicht zu stinken an und ist, für Lagerfeuerfreunde, nicht brennbar. Wer mit seiner teuren Outdoorklamotte mal zu nah am Feuer stand, weiß oft
    was passiert, wenn da mal ein Funken springt.
    Gummistiefel haben wir welche von der Firma Maximo. Die sind aus Naturgummi und Innen mit Baumwolle gefüttert. Fairtrade sind die warscheinlich nicht, aber gesundheitlich sicher unbedenklicher als die meisten Anderen.
    Zu Regenhose und Regenjacke hab ich auch noch keine Alternative gefunden, kaufe da aber immer die der Firma „Tells“. Die waren bei Ökotest Testsieger mit der Gesammtnote „Ausreichend“!!!!!!!!!!!!
    Die halten auch ganz gut, obwohl die in unsrem Kindi extrem beansprucht werden.

    Ich muss jetzt weiterlesen! Und bestimmt war dies hier nicht mein letzter Besuch, da ich bestimmt auch noch einige Tipps für diverse Plastikalternativen brauchen werde.

    Herzliche Grüße aus Süddeutschland,
    Tina

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