Das Haus von Plastik leer machen

Heute haben wir unser Plastik aus dem Haus geräumt. Das klingt zwar harmlos – war es aber nicht!

Obwohl mir schon in den letzten Wochen klar geworden ist, wie viel davon sich in unserem Haushalt befindet, war es doch äußerst beeindruckend unseren Plastikberg in all seiner Buntheit und Unverwüstlichkeit direkt vor unserem Haus aufgetürmt zu sehen.

Das Aufbauen und Dekorieren der bunten Teile war tatsächlich ein recht kreativer Akt, an dem sich auch die Kinder teilweise mit großer Begeisterung beteiligt haben. Das Ausräumen gewisser Gegenstände wiederum war ziemlich erkenntnisreich. So wurde mir beim Hinaustragen von ca. 4 Kisten Tupperware und mindestens ebenso vieler Säcke mit Taschen und Rucksäcken bewusst, dass wir sicher 90 Prozent davon in den letzten Jahren kaum bis gar nicht verwendet haben. Insofern stellte die Entfernung mancher Dinge also tatsächlich eine große Erleichterung dar.

Anders verhielt es sich naturgemäß bei den oft gebrauchten Gegenständen und Geräten, die unseren Alltag bisher in gewisser Weise geprägt haben: Staubsauger, Wasserkocher, Toaster, Mixstab, Plastikregale,,…

In unserem Experiment wollen wir versuchen auch einige dieser Dinge wegzulassen und wenn nötig Alternativen auszuprobieren, aber natürlich gab es beim Ausräumen auch „Vetos“.  So  wurde Leos geliebte  Ritterburg ebenso wieder ins Haus gebracht wie diverse Sport – und Winterjacken, Schultaschen, Sportschuhe und Radhelme. Vieles davon ließe sich zwar theoretisch auch durch plastikfreie Alternativen ersetzen, aber das würde momentan in Summe unser Haushaltsbudget auf jeden Fall sprengen. Und schließlich ist es ja auch ein Teil unseres Experiments, dass wir dafür nicht wesentlich mehr Geld ausgeben wollen als bisher und es geht uns ja auch nicht darum, einen Weltrekord im Verzichten aufzustellen, sondern wir wollen unter anderem herausfinden, wo es uns relativ leicht möglich ist, das Plastik wegzulassen.

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Plastik los werden: nicht so leicht wie man denkt!

Das, was wir tatsächlich entfernt haben, ist auch nicht allzu weit weg. Wir haben alle aus jetziger Sicht entbehrlichen Plastikteile vorläufig in unseren leeren Stall geräumt, denn es ist gar nicht so einfach, Plastik los zu werden. Selbst die Dinge, von denen wir uns gerne endgültig getrennt hätten, können wir nicht einfach alle wegschmeißen. Plastik ist – wenn es sich nicht um Verpackungsmaterial handelt – Restmüll. Und die Menge dessen, was wir entsorgen wollen, würde die Kapazität unserer Mülltonne für Monate erschöpfen.

Ja, Plastik braucht viel Platz, selbst als Müll. Und natürlich stellt sich auch die Frage, ob es sinnvoll ist, soviel „intaktes“ Plastik wegzuwerfen. Aber was sonst? Viele Fragen sind heute wieder mal aufgetaucht.

Vorläufig werden wir uns damit zufrieden geben, dass wir zumindest dort, wo es um Essen und Körperpflege geht (und damit ganz unmittelbar um unsere Gesundheit) momentan kein Plastik mehr verwenden und – was mir am wichtigsten erscheint – dass wir vor allem kein Plastik mehr nachkaufen.

Der heutige Tag hat eindrucksvoll gezeigt, dass wir mehr als genug davon haben.

Bei einem abschließenden abendlichen Rundgang durch unser Haus stelle ich jedenfalls mit Freude und Erleichterung fest, dass wir jetzt viel mehr „freien“ Platz im Haus haben und der immer noch stattliche Rest unseres Inventars irgendwie viel schöner aussieht.

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20 Gedanken zu „Das Haus von Plastik leer machen“

  1. Ich find das super, dass sich eine Familie dazu bereit erklärt, ohne Plastik leben zu wollen. Bin gespannt was so in den nächsten Wochen passieren wird. Bin sehr skpetisch, dass dieses Experiment ohne Spannungen innerhalb der Familie laufen wird. Aber man wird ja sehen. Wünsche viel Erfolg dabei.

  2. Super Idee – aber welche alternativen gibt es zu Zahnbürstel, Zahnpaste und co. – und beim essen ist ja auch schon fast alles in Plastik verschweißt!?

  3. liebe sandra und familie,
    gratulier euch zu diesem schritt…das passt zu euch :-)!
    …ich werde euer experiment jedenfalls mit großem interesse verfolgen und freu mich auf eure berichte!

    viel spass und durchhaltevermögen, petra l.

  4. Super Idee! Bewundere euch wirklich sehr für euren Einsatz und Mut, wird sicher keine leichte Zeit, aber wahrscheinlich dennoch eine sehr bereichernde!!!
    Werden eure Erfahrungen im weblog mit viel Interesse mitverfolgen und den einen oder anderen Denkanstoß beherzigen…
    Alles Gute euch allen, Uschi O. mit Max und Familie

  5. Zahnbürsten gibt es aus Holz mit Naturborsten (Bezugsquellen im Internet bzw. wurden sie in Wien auch schon in der Mariahilferstraße gesichtet), Zahnbürsten mit austauschbarem Kunststoffkopf, aber mit Naturborsten gibt es fast in jedem Bioladen. Die haben zumindest den Vorteil, dass man nicht bei jedem Wechsel das ganze Plastikding, sondern nur den Kopf wegschmeißen muss (=Müllreduktion!).
    Zahnpasta gibt es jedenfalls von Weleda in der Metalltube (Verschluß ist zwar aus Plastik, aber der kommt wenigstens kaum mit dem Produkt in Berührung!), außerdem kann man Zahnpasta relativ einfach selber machen oder (was eine sehr billige Variante wäre) mir normalem Kochsalz die Zähne putzen. Probier ich zur Zeit aus, ist aber gewöhnungsbedürftig.
    Grundsätzlich ist das Vorhandensein von Zahnpasta für eine ordentliche Mundhygiene aber ohnehin eher nebensächlich, da es lt Auskunft meines Zahnarztes dabe hauptsächlich auf gründliches Putzen ankommt!! Produkte mit sehr viel Schaumbildung verleiten eher dazu, dass man (vor allem Kinder!!) glaubt, die Zähne werden durch den Schaum sauber…

  6. Liebe Familie,

    wir werden nicht nur was Plastik betrifft, sondern auch was die Lebensmittel betrifft an der Nase herumgeführt. Darum bitte ich Euch, auch wenn Ihr Joghurt im Glas kaufen möchtet, nicht auf die Landliebe Produkte zurückzugreifen, denn was man in deren Werbung sieht, trifft absolut nicht zu. Die Kühe bekommen nämlich keinen Klee, sondern chemische Produkte. Ich möchte Euch die Bücher von Hans-Ulrich Grimm wie zB: Die Suppe lügt, Katzen würden Mäuse kaufen (wenn Ihr Haustiere habt), usw. ans Herz legen. Ein Beispiel aus einem der Bücher: Ein Mädchen hat eine Fischallergie. Sie aß einen Kuchen und reagierte, als ob sie Fisch gegessen hätte. Man ist dann draufgekommen, daß die Hühner, deren Eier Zutaten des Kuchens waren, mit Fischmehl gefüttert wurden wegen des Omega 3. Eine andere Geschichte ist, daß ein Mädchen fast gestorben wäre, weil es auf ein Lebensmittel allergisch reagierte, der Konzern gab aber nicht bekannt welche Ingredenzien das Produkt enthält. Man hätte dann nämlich austesten können worauf die Kleine reagiert. Man hat dem Mädchen nur viel Glück gewünscht, das wars.
    Ich bitte Euch darum, schaut nicht nur auf die Verpackung, sondern auch auf die Inhaltsstoffe der Produkte und seid nicht blauäugig, denn keine künstlichen Aromastoffe bedeutet nicht, daß die Chemie nicht ihre Hände im Spiel hat.

    Ich freu mich sehr, wenn Menschen Initiative ergreifen, hoffentlich steckt Ihr viele mit Eurer Begeisterung an!!

    1. Liebe Karin!

      Danke für Deinen Beitrag und die Tipps. Was Joghurts anbelangt, war ich immer schon sehr skeptisch bezüglich der Inhaltsstoffe. Abgesehen davon finde ich, dass in den meisten viel zu viel Zucker drin ist (oder irgendein künstlicher Süßstoff, was ich für wirklich bedenklich halte). Wir kaufen also normalerweise nur Naturjoghurts (jetzt halt im Glas), die wir mit eigener Marmelade, Honig, frischem Obst oder einfach pur genießen. Zum Glück gibt es solche bei uns im Lagerhaus in der „Bauernecke“. Wenn ich in Graz bin, kaufe ich sie auch in diversen Bioläden. In beiden Fällen handelt es sich auch um Pfandgläser.
      Grundsätzlich bin ich schon seit der Vorbereitungsphase unseres Experiment nochmal viel kritischer geworden, was die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, aber auch von Körperpflegprodukten, Putzmitteln, Hygieneartikeln…usw betrifft. Das liegt für mich eigentlich in der Natur der Sache, denn wenn es uns egal wäre, was in den Produkten drin ist, könnte es uns ja erst recht egal sein, welche Schadstoffe die Plastikverpackung an das Produkt abgibt.
      Leider ist es oft wirklich nicht so leicht auf die Inhaltstoffe draufzukommen bzw. zu verstehen, worum es sich dabei tatsächlich handelt. Daher bin ich für alle Informationen dankbar.

      LG Sandra

  7. Hallo,

    ich bin begeistert von eurem Experiment und wünsche Euch viel Kraft und Durchhaltevermögen!
    Was ich euch mitteilen wollte habt ihr vermutlich schon selbst herausgefunden: wenn es darum geht, euer überschüssiges Plastik zu entsorgen, dann versucht dies bei eurem lokalen Abfallwirtschaftszentrum, in Graz wär das der Sturzplatz. Mit Meldezettel kann man da normalerweise bis zu 3m³ Müll kostenlos deponieren. (Ist zumindest in Gleisdorf, Hartberg, … & Umgebung so, daher kenne ich das.)

    Alles Gute,
    FraGe

  8. tja, das mit dem Plastikmüll beschäftigt mich auch sehr. Ich frage mich was mit dem Plastik, dass ich vorhabe wegzuwerfen passiert? Ich möchte nicht das es irgendwo landet um Schaden anzurichten.. oder wird es recycelt?
    Bitte um Antwort, wenn jemand mehr dazu weiß! Bis dahin, werde ich es noch verwahren..

    Alles Liebe für all die Menschen hier!

  9. Hallöchen
    Ich finde auch das es ausreicht kein Plastik mehr nachzukaufen und Dinge die nicht benötigt werden aufzubewahren bis sich eine sinnvolle Weiterverwertung ergibt . verstaut in Holzkisten, Pappkartons oder auf dem Dachboden dürften sie Niemanden schaden zufügen .Ich denke wenn viele Menschen nun hergehen und diese Dinge entsorgen ,droht der Umwelt und somit unserer Gesundheit unerwünschter Schaden in jeder Hinsicht us wirtschaftlich. Ich benutze verwarloste Deckel und Tuppadosen für die Fütterung der streunenden Katzen bis sie unansehnlich geworden sind. In die intakten Behälter verpacke ich das in Brotpapier umwickelte Früstück das meine Männer mit zur Arbeit nehmen.Es sollte aber nicht in Vergessenheit geraten das Metallbehälter Nickel und andere Substanzen enthalten die in individuell bestimmten Dosen ebenfalls schädlich sein können(eigene Erfahrung)z.b. Nahrugsmittelasoziierte Nickelunverträglichkeit(mit zahlreichen ungeahnten Nebenwirkungen).Abgesehen von der Oxidierungsgefahr wenn Säuren aus Obst etc. in Dosen aufbewahrt wird. Dessalb setze ich seit langen auf Glas und auch Gusseisen u.ä.beim kochen. Ungerecht mpfinde ich dabei, das Obst Gemüse etc. in gläsern wesentlich teurer verkauft wird.Alternativ tiefgekühltes in Plastih zu kaufen macht da mehr Sinn wenn nicht gerade die Möglichkeit zum Selbst einkochen besteht.

  10. eine super-pionierarbeit, die sicherlich viele anhänger findet. durch die recycling lüge – wird eh alles
    wiederverwertet – glauben viele es genügt das jogurtbecherl sauber auszuwaschen.die irreführung
    der konsumentInnen funktioniert perfekt. da plastik ein abfallprodukt der petrochemie ist , geht dies einher
    mit dem Spritverbrauch,deshalb ist es auch so „billig“ und abbaubare materialien können nur schwer
    konkurrieren. viel erfolg,weiter so,eure kinder sind jetzt schon stolz auf euch, sagen werden sie es euch
    später….

    1. Liebe Maria!

      Danke für deinen Zuspruch!
      Unsere Kinder sind im Allgemeinen auch jetzt schon ziemlich begeistert von der Sache, was sicher auch damit zusammenhängt, dass wir das Ganze nicht zu extrem angegeangen sind und es natürlich auch manchmal Ausnahmen gibt…
      Außerdem haben sie (vor allem die 2 Größeren) glaub ich auch jetzt schon verstanden, dass man Einiges verändern kann (zumindest im eigenen Umfeld), wenn man von einer Sache überzeugt ist und das ist für mich persönlich eigentlich der größte Gewinn, in diesem Experiment.

      LG sandra

  11. Hallo,
    aus der Zeitung habe ich von euer Aktion erfahren und bin begeistert. Zwar habe ich gerade erst
    angefangen, mich hier durch zu lesen, aber da mein Mann und ich auch schon seit längerem Neues
    immer versuchen ohne Plastik zu kaufen kenne ich das Thema.
    Wir ernähren uns übrigens vegan. Das heißt, keine Milchprodukte, weil es nicht der Natur entspricht,
    daß der Mensch Baby-Nahrung von einer anderen Spezies trinkt. (Oder würdest du gerne von einem
    Bauern ca. alle 9 Monate geschwängert werden und dein Leben lang immer wieder Kinder kriegen,
    die dir gleich wieder weggenommen werden und deine Milch nicht den Kindern zugute kommt? Kühe
    geben nämlich nur Milch, wenn sie auch ein Kälbchen bekommen!) Und daß Milch gesund sein
    soll, ist übrigens auch eine Falschinformation der Milch-Lobby. Milch ist Baby-Nahrung. Kälber-Nahrung,
    um genau zu sein. Daher macht sie auch kräftig (dick).
    Soja ist eine gute Alternative. Man kann sich dran gewöhnen. Und (was aber auch aus Kuh-Milch geht)
    man kann Joghurt leicht selber machen. Ich koche die Sojamilch sogar selber. Ist ganz einfach.
    Und man kann damit auch Kuchen backen und alles, was man sonst mit Kuhmilch macht.
    Aber, ok, es geht vornehmlich ums Plastik. Beim Selbermachen von Joghurt braucht man kein
    Transportmittel. Die Produkte kommen sogar aus Österreich. Ok, der Deckel ist auch aus Plastik,
    dafür brauchen wir aber eben nicht mehr einkaufen zu fahren. Die Bohnen sind in Papiertüten abgefüllt. Und wir wissen, was drin ist in unserer Milch/Joghurt. http://www.veganstar.eu/
    Dazu gibt es auch den passenden Joghurt-Bereiter.

    Wie gesagt, ich bin begeistert und werde gleich mal weiterstöbern.
    Viele Grüße aus Deutschland.

  12. Hallo Sandra,
    Ich schreibe einen Artikel für eine nachhaltige niederländischen Magazin (Magazin Grüne (www.vakbladgroen.nl). Wenn ökologische Architekten arbeiten wir nur mit natürlichen Materialien und nicht aus Plastik. Vor einiger Zeit habe ich gesehen, du Experiment in einer Präsentation. Große Initiative, mein Kompliment! Nun möchte ich das berühmte Foto von Ihrer Familie mit all dem Zeug aus Kunststoff für Ihr Haus, um in dem Artikel verwenden. Ist das möglich? Natürlich, während ich rufe deinen Namen und Ihrer Webseite ein. Wenn Sie mailen mir ein Foto in hoher Auflösung? Ich werde eine digitale Version zu gegebener Zeit zu senden.

    Dank und beste Grüße,
    Daan Bruggink (ORGA Architekt)

  13. Ich finde es sehr mutig von ihnen dass sie versuchen das ganze Plastik von ihren heim fern zu halten von daher wünsche ich ihnen noch viel Glück.

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