Am Sonntag 30.Mai fand im Freilichtmuseum Stübing der Aktionstag „HoamART – Die Kunst, nachhaltig zu leben“ statt.
Wir hatten dort die Gelegenheit unser „Kein Heim für Plastik“- Experiment mit einem eigenen Stand vorzustellen. Ein Teil unseres ausgemisteten Plastikbergs, sollte in diesem Rahmen noch einmal „in vollem Glanz erstrahlen“. Dem gegenüber stellten wir unseren „alternativen“ Hausrat, sowie plastikfreie und umweltfreundliche Putz-, Wasch- und Pflegemittel.
In der wunderschönen Landschaft und umgeben von alten Bauernhäusern, stach der bunte Plastikberg aus Tupperware und Plastikspielzeug den Vorbeikommenden natürlich im ersten Moment besonders ins Auge. Manche befürchteten anfangs sogar, in eine leicht deplazierte Tupperparty geraten zu sein, und Leos ausgemusterte „Hotwheel-Bahn“ wäre beinahe zum Verkaufsschlager geworden – wir wurden sowohl von Kindern als auch von Eltern immer wieder gefragt, wie viel wir dafür verlangen würden.

Zum Glück hatte Samuel seine Schnitzsachen und auch schon fertig gebastelte „Pfeil und Bogen“ – Sets mitgenommen und die beiden anderen bauten immer wieder kleine Kunstwerke aus den mitgebrachten Holzbausteinen auf. das war für die meisten Kinder längerfristig dann doch interessanter als die vereinsamte „Hotwheel“-Bahn. Samuels Eigenproduktionen ernteten teilweise große Bewunderung und wir hörten immer wieder Kommentare wie: „Schau, der Bub da kann schnitzen!“
Einige Male war ich versucht anzumerken, dass prinzipiell jedes Kind schnitzen kann, wenn man ihm alters entsprechend dazu die Möglichkeit gibt und passendes Werkzeug zur Verfügung stellt. (Auch Leo und Marlene „können“ schnitzen!)
Mir wurde wieder einmal bewusst, dass die Fähigkeit von Kindern, sich mit und in der Natur zu beschäftigen, (nachwachsende!) Materialien aus der Natur kreativ zu nutzen und entsprechend achtsam damit umzugehen ganz entscheidend davon abhängt, ob sie Natur in ihrem Alltag überhaupt noch erleben können.
In solchen Momenten empfinde ich Glück und Dankbarkeit, dass unsere Kinder immer die Möglichkeit hatten, mit Sand, Steinen, Erde, Laub, Wasser und Holz zu spielen, Staudämme zu bauen, Lager im Wald zu errichten, Lagerfeuer zu heizen , Steckerlbrot zu braten….usw.

Vielleicht ist das ja die Antwort auf eine der häufigsten Fragen während unseres Experiments: „Wie geht es denn bloß den Kindern dabei?“
Denn obwohl unsere Kinder nicht Besitzer von Handys, Computerspielen, Fernsehapparaten oder Gameboys sind (was vor dem Experiment auch nicht anders war), hatten (und haben) sie mehr als genug Spielsachen und sie wurden auch nicht genötigt, irgendetwas davon herzugeben. Zum Glück hatten sie aber auch schon genug Möglichkeiten, zu erleben, dass man das meiste davon oft eigentlich gar nicht braucht, um gut spielen zu können. Wer schon einmal beobachtet hat, wie ruhig, entspannt und konzentriert sich Kinder in der Natur ohne jegliches (Plastik-)Spielzeug beschäftigen können, wird verstehen, was ich meine. Für mich ist das jedenfalls immer wieder ein besonderes Glücksgefühl und Stübing ist ein Ort, wo man das auch als erwachsener Mensch noch sehr gut spüren kann. (Vielleicht hat das ja auch ein bisschen damit zu tun, dass es dort kaum Handyempfang gibt!)
Wir haben an diesem Aktionstag sehr viel Zuspruch und Anerkennung erhalten, viele BesucherInnen haben sich mit ihrer Mailadresse eingetragen, um die aktuelle Liste mit den „plastikfreien Einkaufstipps“ zugeschickt zu bekommen und zwischendurch hatten wir auch die Gelegenheit, den anderen Ständen einen Besuch abzustatten:
Wir konnten wunderbares altes Handwerk und alte Fertigkeiten (Drechseln, Klöppeln, Filzen, Heubinden, Sensenmähen, Schnitzen,….) beobachten, es gab alte Pflanzensorten und Tierarten, ein reichhaltiges Angebot an biologisch erzeugten Lebensmitteln, Säften, Wein,…Naturkosmetik , kompostierbare Blumentöpfe (siehe www.plantobio.com) aus Holzfaser und vieles mehr.
Doch am meisten haben mich die Menschen beeindruckt, die hinter all dem stehen, Menschen, denen die Freude über das was sie tun oder erzeugen ins Gesicht geschrieben steht, die ihre Sache mit Selbstvertrauen und Überzeugung vertreten, auch wenn der Mainstream (noch) in eine andere Richtung geht.
Die hier gezeigten Techniken und Produktionsmethoden kommen größtenteils ohne Kunststoff aus, sie sind nachhaltig durch die verwendeten Materialien und deren spezielle Qualität und sind im „Einklang mit der Natur“, weil Menschen, die mit Liebe und Überzeugung arbeiten, dabei nicht ausbeuten oder zerstören.
In den Gesprächen dieses Tages wurden wir immer als „Vorbilder“ bezeichnet und ich fühlte mich ebenfalls von Vorbildern umgeben. Diese Resonanz, dieses sich gegenseitig Bestärken von Menschen, die an einen besseren Umgang mit dieser Welt glauben und in ihrem persönlichen Umfeld einfach damit angefangen haben, das ist für mich der Ansporn und die Motivation, im teilweise doch recht ernüchternden Alltag, meinen Überzeugungen so gut es geht treu zu bleiben und sicher mit ein Grund, warum aus unserem Experiment ein neuer Lebensstil entstanden ist.
Vielleicht besteht „die Kunst, nachhaltig zu leben“ heutzutage genau darin, „altes Wissen“ wieder zu entdecken (was wir auch in unserem Experiment oft erlebt haben) und mit den technischen Errungenschaften unserer zeit so zu kombinieren, dass wir uns wieder als sinnvollen Teil der Natur und nicht als ihren zerstörenden Beherrscher erleben.
Dafür war dieser tag in Stübing jedenfalls ein wunderbares Symbol und wie es eine Bäuerin, mit der ich mich unterhalten habe so schön ausgedrückt hat: „Jeder Funke, der in einem Gespräch überspringt, ist es wert, viele weitere zu führen!“

Ich hoffe, dass an diesem Tag wieder viele Funken übergesprungen sind.
PS.: Für alle, denen die letzten Zeilen ein wenig zu pathetisch waren noch ein nettes Plastikschmankerl zum Abschluss:
Gegen Ende des Nachmittags, sah ich einen Mann sehr interessiert in unserer Tupperwareauswahl herumstöbern. Schließlich kam er mit einer, von mir niemals benutzten 3-teiligen Tupperwarepuddingform (in 3 verschiedenen Grüntönen) zu mir und fragt, wie viel ich dafür verlangen würde. Als ich ihm erklärte, dass wir diese Dinge hier nicht verkaufen würden, meinte er:“ Jetzt muss ich mich wohl outen: Ich bin Tuppervertreter und dieses Stück fehlt mir in meiner Sammlung. Man bekommt es normalerweise nicht mehr.“
Nachdem ich mich vom Lachen erholt hatte, konnte ich ihm also wirklich ganz ohne schlechtes Gewissen die Puddingform schenken. Schade, dass nicht alle unsere Plastikstücke so exklusiv sind!