„Weg mit Wegwerfplastik!“ – Wir brauchen eine Revolution der Verweigerung und klare politische Entscheidungen

Es ist immer dasselbe Bild. Ich gehe ein paar Meter am Strand entlang, bin überwältigt von der Schönheit der Natur, den Farben, der Einzigartigkeit, dieser unglaublichen Kraft des Meeres…und dann: stolpere ich mit 100%iger Sicherheit über das erste Stück Plastikmüll am Strand… am öftesten sind es hier jedenfalls Plastikflaschen oder Verschlüsse…

Und das alles ist noch nichts im Vergleich zur weltweiten Dimension des Problems:

https://diepresse.com/home/ausland/welt/5485836/Muellkippe-Meer-und-der-Traum-vom-plastikfreien-Ozean

Fast 9 Jahre ist es nun her, dass ich mit meiner Familie begonnen habe, „Einwegplastikfrei“ zu leben und einzukaufen. Genau so ein Urlaub an einem wunderschönen kroatischen Strand und kurz darauf der Film „Plastic Planet“ haben mich auf die Idee gebracht, Einwegplastik schlicht und einfach zu verweigern. Seither haben meine Familie und ich kaum mehr Plastikmüll – maximal einen halben bis einen ganzen gelben Sack bekommen wir zu fünft pro Jahr zusammen.

Und seit nunmehr 3 Jahren erlebe ich nun im steirischen Landtag, dass jeder einzeln meiner Versuche, die sinnlose Verschwendung von Plastik (und anderen Ressourcen) mittels konkreter Vorschläge zu reduzieren, bisher abgelehnt wurde.

Die „Krone“ hat sich lobenswerter Weise in den letzten Tagen dem Thema Plastik sehr eingehend gewidmet – am Ende der Serie gab es sogar noch einen Bericht über die zahlreichen Menschen und Aktionen, die sich bemühen, das Wegwerfplastik wieder aus der Natur zu entfernen, unter anderem auch eine Foto von mir bei einer der zahlreichen Sammelaktionen, an denen ich mich (in diesem Fall mit unserer ehemaligen Umweltsprecherin Christiane Brunner) beteiligt habe.

Doch die Lösung des Problems liegt in Wirklichkeit am Beginn der Kette und nicht an ihrem Ende. Die Produktion von Einwegplastik erzeugt Plastikmüll – so einfach ist das. Es ist dazu gemacht, weggeworfen zu werden. Die Folgen sind: Zerstörung mittlerweile riesiger Gebiete an Land und Wasser durch Plastikmüll, Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Mikroplastik mit unabsehbaren Folgen in nahezu der gesamten Nahrungskette…und überall, vor allem in den Ländern des globalen Südens nicht „nur“ die ökologischen, sondern auch die sozialen Folgen dieser Zerstörung.

Wenn man das nicht will, darf es entweder nicht produziert werden oder man muss (dort wo es angeblich unvermeidbar ist) zumindest dafür sorgen, dass es wiederverwendet (Pfandystem mit Mehrweg) oder wenigstens sortenrein zurückgewonnen und recycelt werden kann(Pfandsystem.) Genau das wäre Verantwortung der Politik auf allen Ebenen!

Es ist für mich daher gänzlich inakzeptabel, dass die österreichische Bundesregierung zwar „Kreislaufwirtschaft“ in ihr Programm schreibt, aber jeden kleinen Schritt, der tatsächlich einer Umsetzung dieser Überschrift dienen würde (genauso wie die steirischen Landesregierung) ablehnt: Kostenpflicht für Plastiksackerl, Verbot von Mikroplastik, verpflichtender Pfand für Getränkeflaschen (inklusive Verbot von Einwegplastikflaschen), Pfand auf „Coffe To Go – Becher“,… und so weiter!

Daher bin ich immer mehr davon überzeugt, dass es tatsächlich sowas wie eine Revolution der Verweigerung braucht, eine Revolution für ein „Recht auf unversehrte Umwelt“, auf intakte Lebensräume, auf ein Klima, das uns und auch Menschen anderswo auf dieser Welt ebenso ein einigermaßen würdiges (Über)Leben ermöglicht! Eine Revolution der Verweigerung von Verschwendung und Misswirtschaft auf Kosten unserer Kinder und auf Kosten unzähliger Menschen anderswo, die durch kaum etwas deutlicher symbolisiert und drastischer sichtbar wird als durch den wahnsinnigen Umgang mit Einwegplastik.

Ich erinnere mich noch so genau an die bohrenden Fragen meiner Kinder als wir vor 9 Jahren an diesem wunderschönen Strand auf Istrien jeden Tag Unmengen an Plastikmüll einsammelten. „Mama, warum machen das die Leute? Wer ist schuld, daran?“ Ich musste mir damals eingestehen, dass wir alle Verantwortung dafür tragen – oder wie es eben die Kinder unmissverständlich ausdrückten: schuld daran sind!

Damals hat mich das zur persönlichen Verweigerung motiviert. Heute motiviert mich jedes dieser Stranderlebnisse mehr denn je, für klare politische Entscheidungen in einem der privilegiertesten und angeblich fortschrittlichsten Land der Welt zu kämpfen!

Pflege von Holzbürsten

Da mir dieser Tipp einer Leserin persönlich sehr geholfen hat, möchte ich heute an dieser Stelle nochmal öffentlich machen:

Mit Freude sehe ich viele Naturbürstel in Eurem Bad. Ihr habt mir soviel Boost gegeben mit Eurer Konsequenz, da möcht ich Euch auch was “geben” ^^ falls ihr das nicht eh schon wisst :
Bei Bürstel, die mit Wasser in Berührung kommen, das Holz vorher 2- 3 mal mit ein wenig Speiseöl einpflegen und nach Möglichkeit mit der nassen Seite nach unten trocknen lassen, damit die Feuchte nicht so ins Holz ziehen kann – das verlängert die Lebensdauer ein klein wenig .

Was kann man bedenkenlos verschwenden? – Verwirrung ist angebracht

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir zu Beginn unseres Experiments vor nunmehr beinahe 4 Jahren fast krampfhaft versucht haben, für unzählige Plastikartikel einen Ersatz aus anderen Materialien zu finden.

Die Verwirrung, von der Sabine in ihrem Kommentar angesichts der unterschiedlichen Nachteile verschiedener Materialien gesprochen hat, hat mich wieder an diese Zeit erinnert und auch bei meinen Lesungen, werde ich in diesem Zusammenhang immer wieder mit Fragen und Unsicherheiten konfrontiert:

Für Papierproduktion wird Holz verbraucht, in Recyclingpapier finden sich oft schädliche Rückstände und Schwermetalle, Glas ist energieaufwendig in der Erzeugung und im Recycling und noch dazu ziemlich schwer, für Bioplastik werden oft Nahrungsmittel als Rohstoff verwendet, Aluproduktion erfordert nicht nur unglaublich viel Energie sondern hinterlässt auch riesige Mengen an giftigen Abfallprodukten und steht noch dazu im Verdacht, verschiedenste gesundheitliche Probleme zu verursachen,….und so weiter und so fort!

Verwirrung ist also durchaus angebracht, denn das unreflektierte Ersetzen eines Materials durch andere kann leicht vom Regen in die Traufe führen.

Von der Überflussentwicklung der letzten 50 Jahre, ist mittlerweile nahezu alles betroffen, was wir in irgendeiner Weise konsumieren oder verbrauchen können.

Und damit sind wir an einem sehr wesentlichen Punkt angelangt, der mich bei unseren „Antiplastikrecherchen“ immer wieder beschäftigt hat:

Es gibt einfach kein prinzipiell „gutes“ oder „schlechtes“ Material – es kommt immer darauf an wie, wofür und nicht zuletzt in welcher Menge wir es verwenden.

Gäbe es einen 100% Schadstofffreien Kunststoff und könnte gewährleistet werden, dass dieser auch zu 100% wiederverwertet wird, so wäre wohl kaum was dagegen einzuwenden.

Meine über 25 Jahre alte Alu – Proviantdose, mit der ich hin und wieder Käse einkaufe,  halte ich auch für kein großes Problem. (Auch wenn ich mir heute sicher keine neue Aludose mehr kaufen würde!!)

Und wenn ich mir – was mittlerweile höchstens alle 2 bis 3 Monate vorkommt – mal ein Packerl Chips leiste, hab ich keinen Funken schlechten Gewissens und schon gar keine Bedenken in Bezug auf meine Gesundheit.

Langer Rede kurzer Sinn:

Ich glaube wir dürfen langsam wieder beginnen auf unseren „gesunden Hausverstand“ zu vertrauen. Wir brauchen keine wissenschaftlichen Studien um unseren täglichen Einkauf zu erledigen.

Dass die Verschwendung von Material egal welcher Art nichts Gutes ist, kann jeder von uns selber spüren.

Dass Materialien wie Holz, Glas, Ton oder Stein, die bereits seit Jahrtausenden von der Menschheit verwendet werden, tendenziell weniger gesundheitliche Risiken beinhalten, als chemisch erzeugte Stoffe oder das erst seit vergleichsweise kurzer Zeit bekannte Aluminium, kann man sich auch noch gerade zusammenreimen. Und dass dennoch nicht immer alles vermeidbar ist (oder wir nicht immer alles vermeiden wollen), was uns prinzipiell suspekt erscheint, ist eben ein normaler Teil der menschlichen „Unperfektheit“.

Nichts desto trotz können wir verdammt viel tun.

Dass wir nach wie vor nicht einmal einen ganzen Gelben Sack voll Plastikmüll pro Jahr in unserer Familie produzieren, bestätigt mich seit Jahren in dieser Überzeugung. Und dass wir über die Beschäftigung mit diesem Thema auch in vielen anderen Bereichen weitaus kritischer und vor allem viel weniger Konsumfreudig geworden sind, sehe ich mittlerweile nicht mehr als Nebeneffekt sondern als eine der wichtigsten Folgen unseres Experiments!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen weiterhin viel Mut, Ausdauer und natürlich auch Spaß beim „unperfekten“ Erkunden von Alternativen!

Und, um Euch das Erkunden zu erleichtern, hier wieder einmal eine neue Sammlung von Tipps und Produkten. Danke Esther!!!

http://www.accakassel.de/ACCA/UmweltBeratung+Bildung_files/0_plastik_mitwelt_schonend_rezepte_produkte_Weinz_Kassel_Umwelt_Coach.pdf

Verbundenheit stärken

Nach den vielen Lesungen, Vorträgen und Diskussionen der letzte 8 Monate und der seit über 3 Jahren ungebrochen regen Anteilnahme an diesem Blog möchte ich mich heute wieder einmal ganz besonders bei allen Leserinnen und Lesern bedanken.

Gerade bei meinem letzten Vortrag in Oberösterreich durfte ich wieder ganz außergewöhnliche Menschen kennen lernen. Menschen, die sich teilweise seit vielen Jahren in ihren unterschiedlichen Wirkungsbereichen für einen nachhaltigen Lebensstil, die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien und Bewusstseinsbildung im Sinne einer lebenswerten Gegenwart und Zukunft einsetzen.

Doch nach dieser Lesung und Diskussion in einer kleinen Sonnenenergie- und Photovoltaikfirma in Oberösterreich war ich nicht nur von den Aktivitäten der ZuhörerInnen begeistert, sondern ganz besonders von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sich auch bei mir sofort einstellte, obwohl ich keinen der Anwesenden je zuvor gesehen hatte.

Natürlich interessieren sich für so speziellen Themen wie „Plastikmüllvermeidung“ meistens hauptsächlich einschlägig vorbelastete Menschen, doch ich vermeide es tunlichst, darüber zu lamentieren, dass „alle, die es nötiger hätten, eh nicht hier sind…“

Ich halte es für extrem wichtig, Menschen, die sich etwas außerhalb des Mainstreams auf die Suche nach einem – nennen wir es mal ganz allgemein – „sinnvollen Lebensstil“ begeben haben, zu vernetzen und zu bestärken. Und es hat sich in den letzten 3 Jahren als unglaublich befriedigend und erfüllend erwiesen, Kontakte mit ähnlich Gesinnten zu pflegen, Erfahrungen auszutauschen und sich immer wieder neue Impulse und Anregungen zu holen.

Es ist nicht zuletzt dieses gute Gefühl, des Zusammenhalts, der Zugehörigkeit zu einer noch etwas kleineren, aber doch beständig (und hoffentlich bis zur „richtigen“ Größe) wachsenden Gruppe, das mich nach über 3 Jahren noch immer motiviert, über das Thema, das mehr oder weniger zufällig „meines“ geworden ist, zu reden und zu schreiben.

Und es ist dieses gute Gefühl, das mir in den letzten Jahren geholfen hat, auch weit darüber hinaus Motivation und Engagement zu entwickeln.

In diesem Sinne hoffe ich noch auf einen langen und ausdauernden Austausch mit Euch und darauf, dass wir laufend mehr werden!!

Sind wir Konsumioten?

Ich habe gerade die (sehr polemische, tragisch- komische aber jedenfalls sehr empfehlenswerte) Streitschrift von Michael Schmidt-Salomon „Keine Macht den Doofen“ gelesen.  Im Zusammenhang mit unintelligenten Verhaltensweisen von religösen Gemeinschaften, Politikern, Ökonomen usw. spricht er von Religioten, Politioten und Ökonomioten… Und er hat mich mit seinen Wortschöpfungen inspiriert.

Das Funktionieren unseres gesamten Wirtschaftssystems scheint ja davon abzuhängen, dass wir ständig und im Übermaß kaufen, verbrauchen, verschwenden, wegwerfen und wieder neu kaufen. Der Glaube daran, dass das so sein muss, wird beständig genährt durch absurde Vorstellungen von immerwährendem Wirtschaftswachstum und Horrorszenarien von drohender Arbeitslosigkeit und Finanzkrise.

Während Postämter geschlossen, Bahn – und Buslinien eingestellt, Sozialleistungen, Bildungs- und Gesundheitsausgaben gekürzt werden (hierzulande pflegt man das „Sparen“ zu nennen und komischerweise spielen hier die Arbeitsplätze auf einmal keine Rolle) und wir alle angeblich „den Gürtel enger schnallen müssen“, braucht „die Wirtschaft“ uns andererseits doch weiterhin als getreue, möglichst „denkfreie“, dafür aber umso kaufwütigere Konsumioten!

Während „wir alle“ uns schön brav darin fügen, dass die grundlegendsten Errungenschaften  einer sozialen Gesellschaft systematisch ausgehöhlt und kaputtgeredet werden, weil wir sie uns angeblich nicht mehr leisten können, sollen wir weiterhin munter drauflos konsumieren, um gemeinsam mit Konzernen die trotz Milliardenumsätze aus „Effizienzgründen“ Mitarbeiter auf die Straße setzen und /oder ihre Produktionsstätten in Billiglohnländer auslagern, dazu beizutragen dass die einen immer mehr, die anderen immer weniger und am Schluss wir alle keine reale Lebensgrundlage mehr haben.

Aber sind wir wirklich solche unverbesserlichen Konsumioten?

Oder spüren nicht längst viele von uns, dass hier etwas gänzlich falsch läuft. Dass es sich nicht ausgeht, immer weniger in eine funktionierende Gesellschaft zu investieren und gleichzeitig den Menschen einreden zu wollen, dass sie nur genug konsumieren müssen und alles wird gut. Dass die Wirtschaft ins Unendliche wächst und irgendwoher dann schon der ganze „Stoff“ kommen wird, den sie dazu braucht, notfalls von einem anderen Planeten. (Heuer war der so genannte „Welterschöpfungstag“ immerhin schon am 21. August).

Sind wir  – um mit den Worten von Michael Schmidt-Salmomon zu sprechen –  tatsächlich dazu verdammt unser Dasein als eine Sonderform des „Homo demens“ (des „irren, wahnsinnigen Menschen“) zu fristen oder schaffen wir (als Gesellschaft und nicht nur im Einzelfall) den Sprung zum echten Homo sapiens doch noch rechtzeitig?

Ist es nicht längst an der Zeit unsere geistigen und sozialen Kompetenzen mit dem hohen Stand unserer technischen Entwicklung in Einklang zu bringen und alles zusammen dazu zu nutzen, uns endlich aus dem Diktat eines nicht nur menschenverachtenden sondern vor allem auch offensichtlich nicht funktionierenden Sytems zu befreien?

Eines der schönsten Ergebnisse aus unserem nunmehr schon 3 Jahre dauernden Experiment ist, dass anders Denken, anders Glauben und anders Handeln tatsächlich auch eine andere Realität erzeugen können und dass Visionen von einer anderen, einer besseren Welt genau dort realistisch werden, wo aus der Erkenntnis, dass es „so nicht weitergeht“ eine konkrete Entscheidung zur Veränderung fällt.

Wenn wir keine Konsumioten (mehr) sein wollen, müssen wir anders entscheiden als bisher: Für mehr Zeit, für wertschätzenderen Umgang mit unseren Ressourcen, für Produkte und Dienstleistungen, die wir tatsächlich brauchen, um gut leben zu können, für Verbesserung der Qualität bei gleichzeitiger Verringerung der Quantität, für ein Ende der weltweiten Misswirtschaft und eine Wirtschaft, die diesen Namen wieder verdient. Für eine Zukunft, die wir unseren Kindern und Kindeskindern wünschen. Und nicht zuletzt für eine Politik, die dafür die nötigen Rahmendbedingungen schafft.

Vom Akzeptieren und Überwinden von Grenzen

Viele Kommentare der letzten Zeit kommen von Menschen, die bereits in vielen Bereichen des Lebens, begonnen haben ihr Leben im Sinne eines ökologisch verträglicheren Lebensstils zu verändern. Und dabei – logischerweise -auf viele Grenzen, Begrenzungen und teilweise auch auf Begrenztheit stoßen.

Ich kenne das Phänomen sehr gut und hadere oft genug damit.

Heute möchte ich nur 2 kleine Gedankenansöße dazu geben:

Erstens finde ich es extrem wichtig,  Grenzen bei denen es sich in Wirklichkeit um „Begrenztheiten“ (von einzelnen Menschen oder auch Organisationen, sogar von der EU) handelt zu identifizieren und nicht widerstandslos zu akzeptieren – daraus ist bei mir zum Beispiel eine spezielle Einkaufsmethode entstanden: Wenn VerkäuferInnen mir sagen, sie dürfen meine Edelstahldose nicht über die Theke nehmen, weil Gefahr bestünde, dass ich damit Bakterien in die Feinkostabteilung einschleppe, dann halte ich sie einfach in der Luft und lasse mir den Käse hineinwerfen – das klingt vielleicht echt komisch, ist aber ganz einfach und mir noch nie verwehr worden (bis jetzt gibt es zum Glück noch keine Verodnung, die verlangt, dass Menschen nur mehr in keimfreien Zustand ein Geschäft betreten dürfen…)

Zweitens ist mir schon sehr bewusst, dass es in vielen Bereichen nicht nur um gute individuelle Lösungen geht, sondern darum, Rahmenbedingungen für die große Masse zu verändern (das wird  ja auch am Ende meines Buches thematisiert.) Da ich selber ja auch politisch aktiv bin, weiß ich dass man dabei gleich noch an viel mehr Grenzen stößt.  Doch das muss nicht zwangsläufig demotivieren. Grenzen erzeugen das Bedürfnis, sie zu überwinden und in manchen Fällen, müssen sie natürlich auch akzepiert werden. Aber jede Weiterentwicklung und Veränderung von bestehenden Zuständen braucht in jedem Fall viele mutige und entschlossene Menschen, die die Grenzen zumindest einmal in Frage stellen.

Das nur mal in aller Kürze – werd mir aber noch weitere Gedanken dazu machen und wünsch Euch allen inzwischen weiterhin viel Motivation und auch Kompromissbereitschaft!

Der Luxus des Verzichts

Mein gestriges Telefoninterview mit einem Berliner Radiosender, zum Thema Verzicht, hat mich nachdenklich gestimmt.

Die Frage, worauf wir verzichten oder wie es uns mit dem Verzicht geht, kam während unseres Experiments ja unzählige Male.

Ich konnte mit der Frage oft nicht allzu viel anfangen, weil sie meist implizit voraussetzte, dass uns irgendetwas abgeht oder fehlt. Oft war wohl eher Entbehrung als Verzicht gemeint.

Schränkt Verzicht unsere Freiheit ein?

Was bedeutet eigentlich Verzicht in einer Welt voller Überfluss? Unsere Art des Verzichts hat für mich eigentlich hauptsächlich mit der Identifizierung des Überflüssigen zu tun.

Diese Art des Verzichts ist eigentlich nur aus einer Luxusposition heraus möglich. Wir haben alles, was wir brauchen und mehr und eigentlich haben wir auch ganz viel, was wir gar nicht oder jedenfalls nicht in diesem Ausmaß brauchen.

Die Fastenzeit scheint für viele Menschen – auch unabhängig von religiösen Motiven – ein willkommener Anlass zu sein, dem Überfluss zumindest kurzfristig Einhalt zu gebieten.

Kein Kaffee, keine Süßigkeiten, keine Zigaretten, kein Alkohol, kein Fleisch, keine neuen Kleidungsstücke und noch viele andere Formen das individuellen, freiwilligen Verzichts sind mir in den letzten Wochen untergekommen. Ja, wir alle oder zumindest die überwiegende Mehrheit der Menschen hier in Österreich – können uns den Luxus des Verzichts leisten. Es gibt in unserem Alltag unzählige Güter und Gewohnheiten, die nicht existenziell wichtig für unser Überleben, ja nicht einmal für unser Wohlbefinden sind.

Was ist aber dann mit dem in den letzten 2einhalb Jahren oft gehörten Argument, man könne sich „plastikfreien“ Einkauf nicht leisten. Sind das wirklich alles nur Ausreden? Ich war manchmal geneigt, das so zu sehen. Allerdings muss, ich dazu sagen, dass die meisten Menschen, mit denen ich überhaupt in Diskussion kam, nicht den Eindruck machten, weniger Wahlmöglichkeiten zu haben, als wir.

Aber was ist mit den Diskussionen, die ich nicht geführt habe?

Vielleicht deshalb nicht, weil zum Beispiel ein allein erziehender Elternteil mit zwei oder drei Kindern, der sich tatsächlich entscheiden muss, ob man sich einen gemeinsamen Kinobesuch leistet oder lieber Biolebensmittel für diese Woche einkaufen möchte, nicht auch noch Zeit hat, zu einer Diskussionsveranstaltung zu gehen und sich mit der Verpackung des Einkaufs auseinander zu setzen.

Oder ein alter, gehbehinderter Mensch mit Mindestpension, der sich einfach nur mehr über die plastikverpackten Billigangebote beim nächstgelegenen Supermarkt einigermaßen selbst versorgen kann, kein Interesse mehr daran hat, welche Schadstoffe sich möglicherweise beim Aufwärmen in der Mikrowelle aus der Plastikverpackung seiner Fertiggerichte lösen könnten.

Ist unser Verzicht aus dem Luxus heraus so gesehen gar überheblich?

Mit diesem Vorwurf wurde ich seit Beginn unseres Experiments immer wieder mal konfrontiert, was mir natürlich zu denken gegeben hat. Doch ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass schlechtes Gewissen auch in diesem Fall so gut wie nichts bringt.

Im Gegenteil: So lange ich zu denen gehöre, die aus dem Vollen schöpfen können, empfinde ich nun mal die Verpflichtung, so verantwortungsvoll wie möglich damit umzugehen. Diejenigen, die diese Möglichkeiten nicht haben oder gar völlig außerhalb der Überflussgesellschaft stehen, orientieren sich ja trotzdem an den immer höher geschraubten Ansprüchen unseres Systems. Wenn wir, die wir uns den „Luxus des Verzichts“ leisten können, nicht damit anfangen, wer soll es dann tun?

Ich jedenfalls sehe meine Sozialisation in der Wegwerfgesellschaft und mein Leben im Überfluss zunehmend als Auftrag.

Ja, ich kann es mir leisten, weniger zu verbrauchen, weniger Müll zu produzieren, weniger Auto zu fahren, keine Flugreisen zu machen, ich kann es mir leisten, Diskussionen zu führen, mich politisch zu engagieren, mich in vielen Fällen, dem Mainstream entgegen zu stellen.

Die Vorstellung, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich das auch leisten können, stimmt mich in gewisser Weise hoffnungsvoll (obwohl ich zugeben muss, dass ich manchen von ihnen hin und wieder auch gerne einen Tritt in das bequem sitzende Hinterteil verpassen würde:-)).

Wir könnten alle gemeinsam Vorbilder werden für einen neuen, zukunftstauglichen und nicht zuletzt auch sozial verträglicheren Lebensstil. Es macht Sinn, wenn wir in unserem eigenen Umfeld beginnen, das Überflüssige zu reduzieren, es macht Sinn, am Bild eines alternativen und modernen Lebensstils mit zu arbeiten. So gesehen muss freiwilliger Verzicht nicht überheblich sein, sondern kann uns helfen, Sichtweisen zu verändern und unsere Wahlmöglichkeiten zu erweitern.

Vom Regen in die Traufe ?

Heute möchte ich die interessanten Beiträge von Manfred, Uta und Morgan zum Anlass nehmen, meine mittlerweile doch recht differenzierte Sichtweise zum Thema Verpackungen (speziell im Bereich der Lebensmittel) hier zu erläutern.
Zugegebenermaßen haben wir zu Beginn unseres Experiments in erster Linie nach plastikfreien Alternativen gesucht, ohne uns sehr intensiv damit zu befassen, wie die Gesundheits- und Umweltaspekte im Einzelfall aussehen. Dabei ist es allerdings nicht lange geblieben…
Ob Alu, Weißblech, Karton oder Papier – bei näherer Betrachtung wurde uns natürlich klar, dass auch all diese Materialien die Umwelt belasten und auch ein mehr oder weniger großes gesundheitsschädigendes Potential in sich tragen. Und selbst Glas, das ich zumindest in Bezug auf Gesundheitsgefährdung nach wie vor für unbedenklich halte, hat, sofern es sich nicht um Mehrweggebinde handelt, durchaus keine erfreuliche Ökobilanz.
Sind wir also mit unserem Experiment vom Regen in die Traufe gekommen? Richten wir am Ende mit unseren plastikfreien Alternativen mehr Schaden an als früher? Und sind die Stoffe, die sich aus Papier, Karton und Metallverpackungen lösen können, eigentlich unbedenklicher als Weichmacher, Bisphenol-A und Co.?
Bei der Beantwortung dieser Fragen bin ich wieder einmal daran gescheitert, dass ich keine Chemikerin bin und wirklich vertrauenswürdige und unabhängige Studien dazu nicht zu finden bzw. für mich als Laien  jedenfalls nicht zu interpretieren sind.
Also habe ich mich – wie so oft – für den pragmatischen Weg entschieden:

–    Weißblech und Alu fallen ohnehin schon allein deshalb weg, weil sie innen zumeist mit Plastik beschichtet sind.
–    Papier und Kartonverpackungen versuche ich soweit als möglich zu vermeiden, indem ich Lebensmittel „offen“ einkaufe und meine eigenen Behälter, Stofftaschen, oder gebrauchte Papier – und Bioplastiksackerl mitnehme.
–    Bei Glas bevorzuge ich Mehrweg und kaufe Dinge wie Oliven, Essiggurken,…usw. zumindest seltener als früher, dafür mehr frisches Gemüse.

Viele der Produkte, die ich in den letzten 2einhalb Jahren entdeckt habe, sind jedenfalls nicht nur eine Alternative zu Plastik (manchmal, wie im Falle unseres Allzweckreinigers – gleichzeitig auch Duschbad und Shampoon – im 5 Liter Nachfüllkanister, sind sie sogar in Plastik verpackt), sondern sind zumindest aus jetziger Sicht für uns auch tatsächlich die BESSERE Alternative!

Nichts desto trotz können mich unsere individuellen Erfolgserlebnisse mittlerweile nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass es letztlich um viel mehr geht, als für ein paar besonders kritische Menschen, die optimale Verpackungsform zu finden.
Letztlich ginge es darum, die Wirtschaft dazu zubringen erst gar keine schädlichen Substanzen mehr einzusetzen oder ihren Einsatz jedenfalls drastisch zu verringern, so dass schadstoffarmes und umweltverträgliches Einkaufen auch für die breite Masse wieder selbstverständlich werden könnte. Doch das braucht wohl weitaus mehr als nur die akribische Suche nach der individuell besten Lösung.
Das braucht zivilgesellschaftliches und auch politisches Engagement, das braucht eine neue Definition von Wohlstand, Solidarität und Lebensqualität und nicht zuletzt viele mutige Menschen….aber dazu ein andermal mehr.

WELTREKORD!!!!

P1070709 Wir haben es geschafft!!!

Beim Stand von  6124 Stofftaschen, gebraucht, selbst genäht oder selbst bemalt, habe  ich 2 tage vor der Veranstaltung aufgehört zu zählen. Es kamen zwar noch laufend neue dazu, aber wir mussten die Ausstellungshalle in Gartwein dekorieren und das war auch noch ganz schön viel Arbeit……

Die Veranstaltung selbst war dann ein voller Erfolg, die Halle bis zum letzten Platz gefüllt und große Begeisterung über die vielen wunderschönen Taschen, die in der Aktion entstanden sind!

Bilder sagen hier wohl  mehr als Worte! Wer noch mehr davon sehen will, kann auf facebook unter „Change bag“ nachschauen.

Herzlichen Dank an alle StofftaschenspenderInnen auf „keinheimfürplastik“ und an alleP1070945, die das Projekt auf irgendeine Weise unterstützt haben!

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Neuester Stand der Stofftaschensammelaktion

Nun wird es ernst!

2279 Stofftaschen (gebraucht und neu!) befinden sich bereits in unserem Haus (Samuels Zimmer ist zum Stofftaschenlager umfunktioniert worden!), rund 1890 Stück sind noch in den Schulen und Einrichtungen unserer Region im Umlauf!

Es fehlen also noch rund 150 Stück!

Bis zum 18. November könnt Ihr noch zum Gelingen unseres Weltrekordes beitragen! Schickt einfach Eure „brachliegenden“ Stofftaschen so schnell wie möglich zu mir!!

LG Sandra

Infos auch auf facebook:

Neuester Stand der Stofftaschensammlung:2279 Taschen sind breits bei mir zu Hause gezählt und sortiert!!Rund 1890…

Gepostet von Change Bag am Freitag, 28. Oktober 2011