Gebrauchte Handys und Plastikwäschekörbe

Da es in einem Kommentar einer Leserin gerade wieder angesprochen wurde, möchte ich hier nochmal etwas zu meiner Einstellung zu Plastikgebrauchsgegenständen sagen:

Ich habe gerade erst kurz vor Weihnachten ein „neues“ gebrauchtes Handy von einem ehemaligen Schulkollegen geschenkt bekommen. Vor 5 Jahren habe ich beschlossen, solche und ähnliche Dinge (bei denen Kunststoff ja definitiv unvermeidbar ist) zumindest nie mehr neu zu kaufen. „Gebrauchte Handys und Plastikwäschekörbe“ weiterlesen

Alternativen gibt es- man muss nur wissen wo

Unter diesem Motto will ich Euch nun immer wieder Menschen, Betriebe und Aktionen vorstellen, die ich im Zuge unseres Experiments und bei meinen Lesungen und Vorträgen kennen gelernt habe. „Alternativen gibt es- man muss nur wissen wo“ weiterlesen

Einkaufsparadies für Verpackungsmuffel

Mehrere von Euch haben mich in letzter Zeit schon auf die neue Wiener „Maßgreißlerei“ Lunzers hingewiesen (Ähnliches gibt es meines Wissens ausgehend von London schon in mehreren Großstädten in Europa).

Was in herkömmlichen Supermärkten normalerweise unmöglich ist, ist hier ganz normal:

Einkaufen von „offenen“ Lebensmittel nach Maß und Ziel, mit mitgebrachten Behältern oder vor Ort verfügbaren wieder verwendbaren Verpackungen.

Man kauft also tatsächlich nur das, was man wirklich braucht (also die Lebensmittel) und erzeugt normalerweise überhaupt keinen Müll.

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Plastikfrei und vegan? (2)

Im zweiten Teil dieser schwierigen Materie möchte ich mich mit der Problematik widmen, kunststofffreie und vegane Bekleidung unter einen Hut zu bringen.

Schon zu Beginn unseres Experiments hat mich das Thema Bekleidung stark beschäftigt, da konventionelle Kleidung ja heutzutage kaum mehr ohne Kunststoffanteile zu bekommen ist. Abgesehen davon sind die Schadstoffe (NPE, Weichmacher, krebserregende Amine, Azofarbstoffe, Schwermetalle und andere Schadstoffe), die hier – ob Marken -oder Billigware – bei Verarbeitung und Färbung zum Einsatz kommen, auch ganz unabhängig vom Material eine Katastrophe für Mensch und Natur.

Alternativen aus Naturmaterialien (in Bioqualität und entsprechender Verarbeitung, möglichst auch noch Fairtrade) gibt es zwar inzwischen schon in recht zufrieden stellender Auswahl, aber längst nicht für alle Zwecke (man denke nur an die so genannte „Funktionskleidung“) und – viele der Naturmaterialien sind nicht vegan! Pflanzliche Ausgangsmaterialien wie Baumwolle, Hanf, Flachs usw. stellen natürlich in vielen Bereichen eine Alternative dar. Aber auch hier gibt es durchaus kritische Aspekte. Nicht alles, was plastikfrei und vegan ist, kann man nämlich meiner Meinung nach wirklich guten Gewissens empfehlen. Der konventionelle Baumwollanbau mit seinem enorm hohen Wasser – und Pestizideinsatz und den entsprechend ausbeuterischen und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen entspräche da wohl eher dem Motto „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“. Hanf und Flachs stellen so gesehen jedenfalls die bessere Alternative dar, aber das Angebot ist in diesem Bereich zumindest im Moment noch nicht überall ausreichend.

Besonders bei Schuhen würde mir eine konsequent vegane Lebensweise schwer fallen. Ich persönlich fühle mich in Kunststoffschuhen jeglicher Art einfach nicht besonders wohl. Schuhe aus Hanf oder Bauwolle sind auch eher nur eine Alternative für die warme Jahreszeit und meist nur in einem recht eingeschränkten Sortiment verfügbar. Es scheint also auf den ersten Blick relativ aussichtslos konsequent plastikfreie und vegane Bekleidung zu kaufen – umso mehr, wenn dann auch noch gewisse modische Ansprüche dazu kommen.

Aus den oben genannten Gründen hat mein persönliches Einkaufsverhalten in Sachen Mode in den letzten 4 Jahren jedenfalls eine dramatische Wendung genommen. Wie schon in meinem Buch beschrieben, war ich vormals in Bezug auf Kleidung eine klassische „Schnäppchenkäuferin“. Mittlerweile kaufe ich neue Kleidungsstücke oder Schuhe nur mehr höchst selten. Seit 2 Jahren trage ich zum Beispiel Marlenes Lederwinterstiefel mit Schafwollfutter von GEA auf, die zwar keineswegs vegan, aber dafür wenigstens in Österreich gefertigt, höchst stabil und reparaturfähig sind und meiner jetzigen Einschätzung nach sicher auch noch mindestens die nächsten 5 bis 10 Jahre halten werden. Aber auch jetzt (nach 4 Jahren) hat sich der durchaus beachtliche Anschaffungspreis von 220 € aus meiner Sicht schon mehr als rentiert. (GEA erzeugt teilweise übrigens auch vegane Schuhe, ich bin mir aber nicht sicher, ob es für den Winter etwas in annähernd ähnlicher Qualität in veganer Variante gibt.)

Bei einem Vortrag auf der Uni Graz (Umweltsystemwissenschaften) hab ich vor ungefähr 2 Jahren gehört, dass pro Jahr allein ca. 80 Milliarden Baumwoll T – Shirts produziert werden. Ein Blick in meinen Kleiderschrank hat mir klar gemacht, dass ich daran nicht unbeteiligt bin. Ich habe also beschlossen, auch diesen Wahnsinn nicht mehr weiter zu betreiben, was zugegebenermaßen einiges an Selbstdisziplin erfordert hat und noch immer erfordert (und auch nicht immer zu 100% funktioniert!).

Wenn ich mir neue Kleidung oder Schuhe kaufe, achte ich normalerweise darauf, dass zumindest ein Teil der folgenden Kriterien erfüllt wird:

– möglichst kein oder nur ganz geringer Kunststoffanteil (Knöpfe, Gummizüge usw.) und Gütesiegel wie GOTS oder Ökotex

(https://nachhaltigkeit.greenpeace.at/?)

– Baumwolle in Fairtrade und/oder Bioqualität (entsprechende Gütesiegel)

– Wolle und andere tierische Fasern in Bioqualität, wenn möglich aus Österreich oder zumindest aus der EU

– Lederschuhe in Bioqualität bzw. in entsprechender Verarbeitung, wenn möglich in Österreich oder zumindest in der EU produziert

In erster Linie versuche ich aber, mein Bedürfnis nach neuer Kleidung so weit wie möglich zu reduzieren. Mit einigen Freundinnen habe ich Kleidertausch – bzw. Leihaktionen vereinbart, wenn bei einer von uns die Lust nach etwas Neuem nicht mehr zu bändigen ist. Eine gute Quelle für solche Fälle sind für mich auch nach wie vor Second Hand Shops und Flohmärkte. Diesen Textilien haben auch noch dazu den Vorteil, dass die Schadstoffe meist schon ziemlich heraus gewaschen sind. Und nicht zuletzt habe ich in letzter Zeit auch „aus Altem Neues nähen“ zunehmend für mich entdeckt.

Wir Ihr seht, ist mein Zugang zu diesem Thema wieder mal recht pragmatisch und erhebt keinen Anspruch auf Perfektion. Durch meine eigene Geschichte und aktuell vor allem dadurch, dass unsere beiden älteren Kinder mittlerweile 17 und fast 15 Jahre alt sind, ist mir auch klar, dass es Kriterien für Mode gibt, die man subjektiv für wichtiger hält, als alles, was ich bisher dazu geschrieben habe. Andererseits bin ich auch sehr stolz auf meine Kinder, weil sie diesbezüglich auch für ihr Alter sehr genügsam sind und den Weg, den ich vor einigen Jahren eingeschlagen habe, im Großen und Ganzen mitgehen (zum Beispiel tragen sie nach wie vor in erster Linie gebrauchte Kleidung aus dem Freundes – und Bekanntenkreis nach.) Und obwohl meine Geschichte heute schon ziemlich lang ist, möchte ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen, dass ich bei diesem Thema natürlich ständig das glänzende Beispiel meines Mannes vor mir habe, der nicht nur seine T-Shirts trägt, bis sie ihm buchstäblich vom Leib fallen!

Ehrlich gesagt glaube ich, dass in Bezug auf Mode die oft strapazierte Binsenweisheit „Weniger ist mehr“ der wichtigste Grundsatz ist, wenn wir unsere eigene Gesundheit bewahren und an Menschen, Tieren und Natur möglichst wenig Schaden anrichten wollen.

Nicht nur denjenigen von Euch, die einen konsequent veganen Lebensstil verfolgen, rate ich aber auf jeden Fall dazu, Produktionsbedingungen, Herkunft und (man muss es leider so bezeichnen) „Inhaltsstoffe“ der Mode genau unter die Lupe zu nehmen. In manchen Fällen wird das vielleicht die Entscheidung erleichtern, NICHTS zu kaufen.

Da ich meine Geschichten aber immer gerne positiv abschließe, möchte ich heute ausnahmsweise auch noch ein paar (eher kleinere) Firmen aus meinem Umfeld nennen, die allesamt mehrere meiner Einkaufskriterien erfüllen. Dass ich gerade diese Firmen nenne, liegt schlicht und einfach daran, dass ich mit ihnen persönliche Erfahrungen bzw. ihre Produkte auch schon selber getestet habe und mir auch die gesamte „Firmenphilosophie“ entspricht.

www.garymash.com: selbst entworfene Fairtrade-/Bioshirts und vieles mehr

www.zerum.at: Fairtrade- und Biomode, „kleine“ Designermode

www.perviva.at : fair gehandelte Naturtextilien hauptsächlich aus Deutschland und Österreich

www.gea.at: Schuhe in Topqualität in erster Linie in Österreich gefertigt

www.hanf-im-glueck.at : Jeans, Jacken, T-Shirts aus Hanf

http://www.naturfaser-foelser.at: Jeans aus österreichischem Leinen und griechischer Biobaumwolle, man kann sich die Lieblingsjeans „nachschneidern“ lassen!!

Ich denke, dass Ihr in Euren Umfeldern auch viele ähnliche Firmen kennen werdet und sofern Ihr mir Infos oder Links dazu schickt, bin ich auch gerne bereit, diese zu sammeln und in diesem Blog zu veröffentlichen.

Und abschließend nochmal der Link zum Blog von Nunu Kaller, wo Ihr noch viel mehr über das (Nicht-) Kaufen von Kleidung erfahren könnt:

ichkaufnix.wordpress.com

ARTE: Kommt nicht in die Tüte – Die Europäer und der Plastikmüll

ARTE widmet die Samstag Nachmittagssendung Yourope diesmal dem

Thema Plastikmüll:

18.1.14 ab 14 Uhr

Mit einem kleinen Beitrag aus unserem großen Erfahrungsschatz in Sachen Plastikmüllvermeidung!

http://www.arte.tv/guide/de/051397-001/yourope

Und für alle, die in der Näche von Gleisdorf wohnen, gibt´s am Freitag ab 19 Uhr die Möglichkeit die Ausstellungseröffnung „Flowerpower am Plastikplaneten“ zu besuchen.

Mit einer Lesung/Diskussion zu meinem Buch „Plastikfreie Zone“ und Vorstellung des erfolgreichen „Change bag“ Projekts!

ab 19 Uhr im Museum im Rathaus!!!

Sinnlose Vorschriften (kein reines EU-Phänomen!)

Liebe Leute:

Eines vorweg: ich bin überwältigt von den zahlreichen Reaktionen und Kommentaren zu „Plastikfrei und Vegan? (Teil1)“ und werde an dieser Stelle auch schon demnächst den 2.Teil veröffentlichen.

Vorher möchte ich aber – passend zur Vorweihnachtszeit – noch ein paar andere „Botschaften“ loswerden. Und wie es der Zufall so will hat gerade heute im Ö1 Radiokolleg eine Serie zu einem meiner Lieblingsthemen gestartet:

Radiokolleg – Die folgsame Gesellschaft *

Wie sklavisch soll man sich an Regeln halten? (1).

Nachzuhören auf „/ Tage Ö1“ unter folgendem Link:

http://oe1.orf.at/programm/357881

Es geht- wie unschwer zu errarten –  um zivilen Ungehorsam, zu dem ich hiermit aufrufen möchte! Derselbige erscheint mir im Übrigen in immer mehr Lebenssituationen angebracht, aber da ich auch eine Verfechterin der „kleinen Schritte“ bin, hier eine ganz konkrete Umsetzungsmöglichkeit:

Immer wieder berichten mir motivierte PlastikvermeiderInnen, dass ihnen beim Einkauf an der Feinkosttheke, das Verpacken von Wurst und Käse in selbst mitgebrachte Behältnisse verweigert wurde. Die Begründungen gehen von angeblichen Hygienevorschriften über Firmeninterne Verpackungsvorschriften und alle möglichen EU-Bestimmungen. Mir ist ehrlich gesagt meine Zeit zu wertvoll, mich mit der „Substanz“ dieser angeblichen (oder auch wirklichen) Vorschriften auseinander zusetzen oder dem genauere nachzugehen. Ich möchte Euch an dieser Stelle nur meine Erfahrung dazu berichten:

Woman - Familie Krautwaschl

Mir wurden meine speziellen Verpackungswünsche – mit einer einzigen Ausnahme – in den letzten 4 Jahren letztlich noch nie verweigert! Zugegeben: Ich musste manchmal diskutieren, den Geschäftsführer verlangen oder darauf hinweisen, dass ich das Produkt in anderen Filialen des selben Supermarktes schon ohne Probleme „unverpackt“ erhalten hatte. Aber letzlich war ich doch immer die viel gepriesene „Kundin-Königin“ und erhielt meine Wünsche erfüllt. In dem einzigen Ausnahmefall, musste die Verkäuferin die bereits fertig gerichtete und 3fachverpackte Käsesemmel mit Gurkerln und Senf dann eben behlalten (oder selber essen…)

Und nun zu meinem Aufruf:

Lasst Euch den Vollzug von sinnlosen Vorschriften nicht gefallen! Übt zivilen Ungehorsam! Haltet Eure mitgebrachten Metalldosen und Gläser „in der Luft“ und lasst Euch den Käse „hineinwerfen“, wenn irgendjemand in Sorge ist, dass diese Behälter  Keime in seine Feinkostabteilung einschleppen könnten. Diskutiert mit den Menschen, die sich einer Routine unterwerfen, die schon lange nichts mehr mit unserer „Gesunderhaltung“ (Sichwort Hygiene) zu tun hat und macht ihnen klar, dass ihr im Stande seid, selbst Verantwortung für Eure Keimbelastung zu übernehmen.

Sinnlose Vorschriften sind nicht gottgegeben und daher veränderbar. Und selbst die EU, die diesbezüglich selten ein Fettnäpfchen auslässt (Stichwort „krumme Gurken“, Olivenöl in nachfüllbaren Glasflaschen -Verbot oder Saatgutverordnung,….) lässt sich mitunter davon beeindrucken, dass nicht WIR für die Vorschriften sondern die Vorschriften FÜR UNS gemacht werden sollten! (Was Übrigen schon eine dezente Wahlempfehlung für die Europaparlamentswahlen im nächste Jahr sein könnte… meine diesbezüglichen Prefernzen habe ich ja unlängst erst recht deutlich gemacht.)

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viel Spass und Experimentierfreude beim vorweihnachtlichen Lebensmitteleinkauf und freu mich auf Eure Ideen zum „gewaltfreien Widerstand“!

Eure Fragen – unsere Antworten (2)

Da in letzter Zeit schon mehrere von Euch nach dem Link von Esther gefragt haben, hier ihre Antwort auf meine Nachfrage mit der aktuellen Seite:

Liebe Sandra,
danke für die Nachfrage.
Ich habe die Tipps neu überarbeitet und einiges Neue hinzugefügt – das Blöde ist, dass der Link dann so nicht mehr funktioniert, deshalb ist es günstiger diese Webseite zu nehmen, da setze ich dann links in den Kasten immer den aktuellen Link und es gibt außerdem noch zu vielen anderen Themen Infos:

Eure Fragen – unsere Antworten (1)

Ich möchte Eure extrem interessanten Anregungen und Fragen der letzten Zeit teilweise in Beiträgen noch einmal thematisieren, da sie möglicherweise für viele interessant sind bzw. ich auch nicht immer alle Fragen immer ausreichend beantworten kann.

Hier eine erste Anfrage von Richard mit meiner Antwort dazu. Bin gespannt auf weitere Antworten und Eure Kommentare und Tips.

Liebe Frau Krautwaschl und Familie,

vielen Dank für all die Aufklärungsarbeit, die hier drin steckt. Meine Frau und ich haben das Buch gelesen und fangen an, erst mal alles wegzulassen, was aus Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit gekauft wird.
Außerdem andere Wasserkocher, – kessel, Pflege- und Reinigungsprodukte.
Mir fehlt ein Tip für den Ersatz von Fleecemützen und -westen. Diese sind leider sehr warm, weich und klein faltbar, was man von manchen Wolleprodukten nicht sagen kann.

Außerdem weitere Ersatzpflegeprodukte für Zahnpflege außer Fleur de Sel, was bei mir super funktioniert (Heilerde nicht so gut). Wo kriege ich Backpulver ohne Aluminium her? Billige LED-Lampen?
Danke an alle für alle Tips
LG
Richard
Rhein-Main

Lieber Richard!

Den momentanen Bestand an Fleeceprodukten würde ich an Ihrer Stelle nur nach und nach ersetzen (also wenn die Dinge kaputt werden). Es gibt sehr wohl schon einiges an „Funktionskleidung“ aus z.B. Wolle oder zumindest aus Recyclingmaterial.
Ich persönlich bin aber hier in erster Linie dafür, den Gesamtverbrauch an Textilien aller Art zu reduzieren und zum Beispiel Initatitiven wie Kleidertauschmärkte usw. ins Leben zu rufen oder zu unterstützen.
Bei Kleidungsstücken , die man schon längere Zeit in Verwendung hat, kann man sich zumindest einigermaßen sicher sein, dass die Schadstoffe schon ziemlich herausgewaschen sind. Bei (den mittlerweile zum Glück sehr seltenen) Neuanschaffungen greife ich persönlich dennoch fast ausschließlich auf Naturmaterialien in der bestmöglichen Qualität zurück (bio, fairtrade,…usw.)
Kompromisse sind oft notwendig, aber eine der besten Lösungen ist es in vielen Fällen, die Kaufentscheidung noch einmal gründlich zu überdenken – dann kommt man oft zum Schluss, dass man lieber gar nichts kauft und doch mit dem Vorhandenen auskommt. Und das scheint mir mittlerweile in vielen Bereich das Mittel der Wahl zu sein!

Zum Zähenputzen verwende ich fast ausschließlich Xylit (Birkenzucker) und hin und wieder mal eine Zahnpasta aus der Metalltube (von Weleda), vor allem für Urlaube.

Als Backpulver verwende ich Weinsteinbackpulver oder Natron (da ist doch kein Alluminium drin, oder???)

Und relativ billige LED LAmpen scheint es seit Neuestem bei IKEA zu geben, aber ich hab sie noch nicht ausprobiert, da IKEA insgesamt nicht (mehr) gerade zu meinen Lieblingsgeschäften gehört….

So viel von meiner Seite. Freu mich auf Eure Meinungen!

Was kann man bedenkenlos verschwenden? – Verwirrung ist angebracht

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir zu Beginn unseres Experiments vor nunmehr beinahe 4 Jahren fast krampfhaft versucht haben, für unzählige Plastikartikel einen Ersatz aus anderen Materialien zu finden.

Die Verwirrung, von der Sabine in ihrem Kommentar angesichts der unterschiedlichen Nachteile verschiedener Materialien gesprochen hat, hat mich wieder an diese Zeit erinnert und auch bei meinen Lesungen, werde ich in diesem Zusammenhang immer wieder mit Fragen und Unsicherheiten konfrontiert:

Für Papierproduktion wird Holz verbraucht, in Recyclingpapier finden sich oft schädliche Rückstände und Schwermetalle, Glas ist energieaufwendig in der Erzeugung und im Recycling und noch dazu ziemlich schwer, für Bioplastik werden oft Nahrungsmittel als Rohstoff verwendet, Aluproduktion erfordert nicht nur unglaublich viel Energie sondern hinterlässt auch riesige Mengen an giftigen Abfallprodukten und steht noch dazu im Verdacht, verschiedenste gesundheitliche Probleme zu verursachen,….und so weiter und so fort!

Verwirrung ist also durchaus angebracht, denn das unreflektierte Ersetzen eines Materials durch andere kann leicht vom Regen in die Traufe führen.

Von der Überflussentwicklung der letzten 50 Jahre, ist mittlerweile nahezu alles betroffen, was wir in irgendeiner Weise konsumieren oder verbrauchen können.

Und damit sind wir an einem sehr wesentlichen Punkt angelangt, der mich bei unseren „Antiplastikrecherchen“ immer wieder beschäftigt hat:

Es gibt einfach kein prinzipiell „gutes“ oder „schlechtes“ Material – es kommt immer darauf an wie, wofür und nicht zuletzt in welcher Menge wir es verwenden.

Gäbe es einen 100% Schadstofffreien Kunststoff und könnte gewährleistet werden, dass dieser auch zu 100% wiederverwertet wird, so wäre wohl kaum was dagegen einzuwenden.

Meine über 25 Jahre alte Alu – Proviantdose, mit der ich hin und wieder Käse einkaufe,  halte ich auch für kein großes Problem. (Auch wenn ich mir heute sicher keine neue Aludose mehr kaufen würde!!)

Und wenn ich mir – was mittlerweile höchstens alle 2 bis 3 Monate vorkommt – mal ein Packerl Chips leiste, hab ich keinen Funken schlechten Gewissens und schon gar keine Bedenken in Bezug auf meine Gesundheit.

Langer Rede kurzer Sinn:

Ich glaube wir dürfen langsam wieder beginnen auf unseren „gesunden Hausverstand“ zu vertrauen. Wir brauchen keine wissenschaftlichen Studien um unseren täglichen Einkauf zu erledigen.

Dass die Verschwendung von Material egal welcher Art nichts Gutes ist, kann jeder von uns selber spüren.

Dass Materialien wie Holz, Glas, Ton oder Stein, die bereits seit Jahrtausenden von der Menschheit verwendet werden, tendenziell weniger gesundheitliche Risiken beinhalten, als chemisch erzeugte Stoffe oder das erst seit vergleichsweise kurzer Zeit bekannte Aluminium, kann man sich auch noch gerade zusammenreimen. Und dass dennoch nicht immer alles vermeidbar ist (oder wir nicht immer alles vermeiden wollen), was uns prinzipiell suspekt erscheint, ist eben ein normaler Teil der menschlichen „Unperfektheit“.

Nichts desto trotz können wir verdammt viel tun.

Dass wir nach wie vor nicht einmal einen ganzen Gelben Sack voll Plastikmüll pro Jahr in unserer Familie produzieren, bestätigt mich seit Jahren in dieser Überzeugung. Und dass wir über die Beschäftigung mit diesem Thema auch in vielen anderen Bereichen weitaus kritischer und vor allem viel weniger Konsumfreudig geworden sind, sehe ich mittlerweile nicht mehr als Nebeneffekt sondern als eine der wichtigsten Folgen unseres Experiments!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen weiterhin viel Mut, Ausdauer und natürlich auch Spaß beim „unperfekten“ Erkunden von Alternativen!

Und, um Euch das Erkunden zu erleichtern, hier wieder einmal eine neue Sammlung von Tipps und Produkten. Danke Esther!!!

http://www.accakassel.de/ACCA/UmweltBeratung+Bildung_files/0_plastik_mitwelt_schonend_rezepte_produkte_Weinz_Kassel_Umwelt_Coach.pdf

Argumentationshilfen für phantasielose Umweltminister…


….oder wozu ein Plastiksackerlverbot in Österreich gut sein könnte

Aus gegebenem Anlass (Plastiksackerlverbot in Italien seit 1.1.2011) möchte ich heute der Kreativität unseres Herrn Umweltministers einmal ein wenig auf die Sprünge helfen.

  • Das Verbot von Plastiksackerln ist eine der einfachsten Möglichkeiten Co2, Erdöl und diverse, in Plastiksackerl enthaltene Schadstoffe einzusparen, vereint also Klimaschutz, Ressourcenschonung und Gesundheitsvorsorge, wohingegen weder „Downcycling“ (denn echtes Recycling funktioniert bei Plastiksackerln normalerweise nicht) noch „thermische Verwertung“ irgendetwas dazu beitragen.

  • Das Verbot von Gratisplastiksackerl könnte somit auch Ausgangspunkt für neue, sinnvolle Entwicklungen sein ( z.B.Pfandtaschensysteme) sein.

  • Jedes nicht produzierte Plastiksackerl ist besser als ein „korrekt“ entsorgtes.

  • Angesichts der Tatsache, dass es ausreichend sinnvolle Alternativen zu Gratisplastiksackerl gibt (Stofftaschen, Einkaufskörbe, Papiersackerl, Bioplastiksackerl,..) würden die ÖsterreicherInnen auch in Zukunft ihren Einkauf nicht mit bloßen Händen nach Hause tragen müssen.

  • Gratisplastiksackerlverbot ist somit Einschränkung von überflüssiger Verschwendung und langfristige Verbesserung der Lebensqualität.

  • Das angeblich so rare Vorhandensein von Plastiksackerln im heimischen Restmüll mag zum Teil damit zusammenhängen, dass auch hierzulande unglaubliche Mengen an (Plastik)müll, darunter auch jede Menge Plastiksackerl in der Landschaft landen. (Alle, die daran zweifeln, lade ich herzlich zu unserer nächsten Flurreinigung ein!)

  • Plastiksackerlverbote sind ein wichtiger Beitrag zur Bewusstseinsbildung ( Bildung ist ja im Moment angeblich gerade wiedermal ein wichtiges Anliegen unserer Regierung..) und Sensibilisierung für die weltweit dramatischen Folgen des ungezügelten Verbrauchs von „Wegwerfplastik“

  • Da unsere Umwelt ja nicht an den Genzen Österreichs endet, darf auch ein österreichischer Umweltminister durchaus mal grenzüberschreitend (mit)denken und handeln.

  • Diejenigen, die ihre Plastiksackerl angeblich eh „immer wieder“ verwenden, sind von einem Verbot nicht betroffen, da die Sackerl ja einige 100 Jahre halten. Sie können die vorhandenen Plastiksackerl also durchaus noch über mehrere Generationen weitervererben..

[youtube]TmYudU5fmVk[/youtube]

Das ist nur eine kleine Auswahl von Argumenten für das Plastiksackerlverbot in Österreich. Ich würde übrigens mit unserem Umweltminister gerne um meine wunderschöne „Jute statt Plastik – Tasche“ wetten, dass ihm kein einziger vernünftiger Grund einfällt, Plastiksackerl NICHT zu verbieten.

Das „Argument“, dass in Österreich kein Plastiksackerlverbot nötig sei, weil ohnehin fast keine Sackerl im Restmüll landen, passt nämlich nicht ganz mit der Tatsache zusammen, dass in ganz Wien Plastikmüll nicht extra gesammelt wird, damit die Müllverbrennungsanlagen überhaupt funktionieren…

Hier wäre dann vielleicht auch ein gemeinsames Projekt mit der Wissenschaftsministerin zur Entwicklung  neuer Technologien sinnvoll!

Hmmm, und wo landen nun in Wien (immerhin knapp1,7 Millionen EinwohnerInnen) bitteschön die nicht mehr gebrauchten Plastiksackerl? Oder gibt es in Wien vielleicht gar keine mehr? Oder leben dort etwa nur mehr Menschen, die ihre Plastiksackerl immer wieder verwenden? Das würde ja heißen, dass in Wien praktisch keine neuen Plastiksackerl mehr gebraucht werden…Also auch noch eine kleine Frage an unseren Herrn Umweltminister: Wieviele neue Plastiksackerl werden denn alleine in Wien täglich verbraucht und was passiert anschließend mit ihnen, wenn sie sich nicht in Luft auflösen??

Abschließend hätte ich dann auch noch einen Vorschlag für eine Studie, die der Umweltminister in Auftrag geben könnte: Die Kostenwahrheit eines Plastiksackerls, eingerechnet den Wert aller plastikverseuchten Strände, Ozeane, Flüsse, Seen, Landstriche, Wälder, Berge….

Ach ja und noch ein kleines Argument:

– PolitikerInnen sind gewählt, um Verantwortung zu übernehmen.