Eure Fragen – unsere Antworten: Vegan und Plastikfrei? (1)

Die Frage, ob und wie man veganen Lebensstil mit größtmöglicher Plastikvermeidung vereinbaren kann, ist gerade in letzter Zeit immer öfter an mich herangetragen worden. Hier nur eine kleine Auswahl von Anfragen, die sich auf dieses Thema beziehen. (Hier stellvertretend nur 3 Beispiele):

*Hallo ihr Lieben, Ich hab da eine Frage. Ich lebe vegan und möchte nun auch größtenteils auf Plastik verzichten. Mein Problem ist nur dass dann viele Produkte mit Leder, Wolle und co sind …. Gibt es auch “hoffnung” vegan und plastikfrei zu leben?
Liebe Grüße Elli

*Hallo Elli, mir geht’s ähnlich… Als plastikmeidender Vegetarier wandere ich gerade zum veganen Ufer, und besonders herausfordernd empfinde ich es, Tofu und Hülsenfrüchte zu bekommen… Ach so, ich sehe gerade, dass das gar nicht Deine Frage war In Sachen Schuhe bin ich mir auch noch nicht einig mit mir… [Bin gerade noch eher kulinarisch vegan ] Anstatt Kleidung aus Schurwolle entscheide ich mich z.B. für Baumwolle…

*Hallo Sandra, ich habe dein Buch „Plastikfreie Zone…“ gelesen und war sehr begeistert von dem Buch. Ich habe einiges dazu gelernt und versuche Plastik, wenn es geht zu vermeiden oder eine Alternative zu verwenden. allerdings ernähre ich mich vegan und somit ist es fast unmöglich auf Plastik zu verzichten, da Tofu und viele andere Produkte in Plastik verpackt sind. Wie würdest du das handhaben, wenn du vegan wärst? Und meinst du nicht, dass die vegane Ernährung ein großer Beitrag zum Umweltschutz ist? (co2 Ausstoß, Grundwasserverunreinigung, Abholzung des Urwaldes aufgrund tierischer Produkte).

Da das Thema sehr komplex ist und sich ja auch nicht ausschließlich auf die Ernährung beschränkt, werde ich meine Antwort in mehrere Beiträge verpacken. Wie schon oft in den letzten 4 Jahren habe ich mir auch bei diesem wirklich herausfordernden Thema die Frage gestellt, was man aus der Vergangenheit – genauer gesagt aus der Zeit, als es noch kein Plastik gab – lernen könnte. In diesem Fall lassen sich daraus aber keine ganz einfachen Schlüsse ziehen, denn als es noch kein Plastik gab, gab es in unseren Breiten wohl auch noch wenige Menschen, die sich ganz bewusst vegan ernähren wollten (wiewohl sicher aus anderen Gründen sehr viel weniger tierische Produkte gegessen wurden als heutzutage.)

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass eine vegane Ernährun sowohl für unsere Gesundheit als auch für unseren „ökologischen Fußabdruck“ wahrscheinlich die günstigste Ernährungsform ist. In unserer (speziell in der österreichischen) Esskultur hat veganes Kochen allerdings derartig wenig Tradition, dass es auch schon ohne den zusätzlichen Anspruch, Plastikmüll zu vermeiden, teilweise relativ schwierig ist, entsprechend ausgewogene und abwechslungsreiche Mahlzeiten auf den Tisch zu bekommen.

In unserer Familie leben ja 2 Vegetarier (Peter und Marlene) und daher gibt es seit Jahren bei uns zu Hause kein Fleisch mehr – zum Leidwesen von Leonard, der der einzige echte „Fleischtiger“ in unserer Familie ist. Das Problem bei „Fleischersatzprodukten“ sowie bei vielen veganen Produkten ist aus meiner Sicht, dass es sich oft um „verarbeitete“ Lebensmittel handelt, deren Inhaltstoffe und Herkunftsländer ich teilweise auch eher kritisch sehe (z.B.: Palmöl, Hefeextrakt,…usw.). Ich bevorzuge die „puren“ Varianten und verwende als Eiweißquellen hauptsächlich Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen,…usw. am Markt beim Bauern oder im Bioladen offen), österreichisches Sojagranulat (offen im Bioladen) und Dinkelfilets im Glas (ähnlich wie Seitan) und Sojamilch in der Pfandflasche (Bioladen). Damit finden wir (als zumindest vegetarischer Haushalt) zum Glückim Allgemeinen das Auslangen. Dass es Tofu nicht offen zu kaufen gibt, ist für mich nicht nachvollziehbar, denn die Bioladenbesitzer, meinen durchwegs, dass der Umsatz groß genug dafür wäre. Tofu kaufe ich also einfach nicht.

Vegetarische bzw. vegane Ernährung ist für mich dann besonders sinnvoll (und wahrscheinlich auch am praktikabelsten), wenn die Nahrungsmittel möglichst unverarbeitet und regional erhältlich sind. Deshalb gehe ich bei unseren Versuchen, tierische Produkte wie Milch, Käse, Schlagobers, Topfen,…usw. zu reduzieren ziemlich pragmatisch vor. Und das entspricht auch meinen Erkenntnissen aus unserer „Plastikfreien Vergangenheit“:

Es gibt sie bei uns teilweise einfach längere Zeit gar nicht! Ich kaufe dann aber auch keine Ersatzprodukte und zwar gar nicht nur wegen der Verpackung, sondern, weil mir wie gesagt die Inhaltsstoffe oft nicht ganz geheuer bzw. einfach unbekannt sind und ich eben am liebsten Dinge esse, die ich auch kenne. Hier ein Beispiel der Inhaltsstoffe eines Sahneersatzes auf Sojabasis:

Zutaten: Sojadrink (Trinkwasser, Sojabohnen) (75 %), Pflanzenfett gehärtet (12 %), Invertzuckersirup, Erbseneiweiß, Emulgator: Mono- unmd Diglyceride von Speisefettsäuren (pflanzlich), Verdickungsmittel: Cellulose und Natriumalginat, Säureregulatoren: Kaliumphosphat und Mononatriumcitrat, Speisesalz, Aroma (pflanzlich)

Ich bin mir da – ganz abgesehen von der Plastikverpackung – einfach nicht wirklich sicher, ob ich das essen will – und deshalb kommt Schlagobers (Sahne) in jeglicher Form in unserer Küche eben nur mehr sehr selten vor. Wenn ich doch mal einen kaufe, dann Bioschlagobers im Pfandglas. Eier haben wir zum Glück von unseren eigenen Hühnern. Bei sämtlichen Milchprodukten hab ich leider im Moment noch keine bessere Lösung, als sie zu reduzieren. Aber das ist eben mein ganz persönlicher Weg, mit diesem Thema umzugehen und ich schließe auch nicht aus, dass sich meine Sichtweise diesbezüglich noch ändert.

Bei konsequent veganer Ernährung schränkt sich die Auswahl der Lebensmittel, wenn man zusätzlich auch noch Plastik vermeiden will, sicher ziemlich ein. Leider gibt´s da keine ganz einfachen Lösungen. Man muss wohl im Einzelfall entscheiden, welches Kriterium einem persönlich am wichtigsten ist.

Ganz wichtig ist mir aber noch, allen Veganern unter Euch Folgendes mitzugeben(ganz dem Motto meines Buches entsprechend):

Durch Euren Lebensstil tragt Ihr schon sehr viel zum „Gemeinwohl“ bei. Der Versuch zusätzlich auch noch Plastik weitgehend zu vermeiden, ist extrem lobenswert, sollte aber meiner Meinung nach immer von ausreichend Mut zum „Unperfektionismus“ und einer guten Portion Humor begleitet sein!

(Mehr zum Thema veganer Lebensstil – Bekleidung usw., in Kürze)

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