Putzen und Waschen, Teil 3

Heute geht es um die wirklich „harten Brocken“ dieses umfassenden Themas.

Die Problematik des Geschirrspülens beschäftigt mich im Grunde genommen schon seit meiner Kindheit. Damals (meine Eltern hatten wie viele Leute zu dieser Zeit noch keinen Geschirrspüler) gab es beinahe täglich Diskussionen darüber, wer für den nächsten Abwasch zuständig sei. Trotz aller Versuche meiner Eltern, eine gerechte Reglung für mich und meine Schwester einzuführen, schafften wir es doch regelmäßig, die ungeliebte Tätigkeit wieder unserer Mutter zuzuschanzen. (Dass Männer auch die Fähigkeit haben, Geschirr zu spülen, war in den späten 70er Jahren offenbar noch nicht bekannt!). Jedenfalls habe ich mir schon damals fest vorgenommen, dass ich mich später einmal nicht so einfach von meinen Kindern und meinem Mann austricksen lassen würde.

Seit wir nun selber Kinder haben, haben wir allerdings auch einen Geschirrspüler, ein äußerst praktisches Gerät, das aber in letzter Zeit für mich ein wenig von seinem Glanz verloren hat. Nicht nur, dass sein Innenleben zum Großteil aus Plastik besteht, was in Verbindung mit heißem Wasser und „scharfen“ Spülmitteln bestimmt keine gesunde Mischung ergibt. Die allseits beliebten Geschirrspülertabs sind auch noch einzeln in Plastikfolie verpackt!

Seltsamerweise habe ich mich im Zuge der Recherchen für unser Experiment zum ersten Mal gefragt, warum diese Tabs eigentlich noch eine extra Hülle brauchen. Wenn man die Inhaltsangabe diverser Produkte allerdings einmal durchliest, fällt die Antwort darauf nicht schwer. Das Zeug ist derartig „giftig“ (vor allem Haut reizend), dass man es eben möglichst nicht direkt berühren sollte.

Auf der Suche nach Alternativen dachte ich anfangs, recht schnell fündig geworden zu sein. Eine DM Eigenmarke mit wasserlöslicher Folie schien die Lösung des Problems zu sein. Bei genauerem Nachfragen (Produktinformation der Firma!) stellte sich jedoch heraus, dass die lösliche Folie aus Polyvenylalkohol besteht – also aus Plastik. Ich fand es trotz der unleugbaren Müllreduktion nicht sehr befriedigend unser Geschirr noch zusätzlich mit Plastik zu umspülen.

Ein weiterer Nachteil dieses Produkts war, dass es mir durch die Zähigkeit der Folie nicht mehr gelang, die Tabs in der Mitte durchzubrechen und nur jeweils die Hälfte pro Waschgang zu verwenden, was sich in der letzten Zeit davor sehr bewährt hatte.

Ich machte mich also zunächst recht zuversichtlich auf die Suche nach einem plastikfrei verpackten Mittel in Pulverform, was ja bei Waschmittel für die Wäsche recht einfach zu finden gewesen war.

Ein „Plastikgesetz“ aus hygienischen  Gründen?

Doch für Geschirrspülermittel gelten offenbar andere Gesetze. Trotz intensiver Suche (in Bioläden, Reformhäusern und Internet) ist es mir  bisher nicht gelungen, ein Mittel zu finden, das unter der Kartonverpackung NICHT in Plastik verpackt ist. Ich begann in den Geschäften nach einer logischen Erklärung für diesen Umstand nachzufragen und bekam nach einigen erfolglosen Wochen in einem Bioladen in Graz folgende Auskunft: Es gibt offenbar eine Verordnung, die besagt, dass Mittel, die im Lebensmittelbereich eingesetzt werden, aus „hygienischen“ Gründen in Plastik verpackt werden müssen.

Obwohl es mir zu mühsam war diese Behauptung im Detail zu überprüfen, musste ich mich schließlich jedenfalls damit abfinden, dass hier keine plastikfreie Alternative zu finden ist.

Wer hat sich das nur ausgedacht? Wir waschen unser Geschirr mit Chemikalien, die so giftig sind, dass sie unsere Haut nicht berühren sollten und müssen diese gleichzeitig vor – wie auch immer gearteten – Verunreinigungen von außen mit Hilfe von Plastik schützen, damit diese (Verunreinigungen!) nicht über den Umweg des Geschirrspülens mit unseren Lebensmitteln in Berührung kommen? Eigentlich kann ich immer noch nicht glauben, dass das der tatsächliche Grund für die Unerlässlichkeit der Plastikhüllen sein soll. Vielleicht kann mir ja doch noch jemand eine schlüssigere Erklärung liefern.

Nun aber zur „Lösung“, die in diesem Fall ein Kompromiss ist:

Da unser Versuch, auf den Geschirrspüler gänzlich zu verzichten und stattdessen mit, auf dem Tischherd erwärmten Wasser händisch abzuwaschen, nach einigen Tagen abgebrochen werden musste (es fehlte hier einfach der Spaßfaktor), habe ich mich schlussendlich für ein pulverförmiges, phosphat- und chlorfreies Mittel der Firma Almawin entschieden. Dieses ist zwar auch in die obligate Plastikinnenhülle verpackt, hat aber weniger bedenkliche Inhaltsstoffe und kann äußerst sparsam angewendet werden.

Für das teilweise unvermeidliche Spülen mit der Hand lasse ich mir im Bioladen ein Mittel aus dem Großkanister (aus Plastik) in eine mitgebrachte Flasche abfüllen. Zuhause fülle ich das Mittel mit Hilfe eines Trichters in einen Seifenspender um. Man kann mit dem Seifenspender einfach viel sparsamer dosieren, als mit den sonst üblichen Plastikflaschen und dadurch hat sich der Verbrauch an Geschirrspülmittel bei uns drastisch reduziert. Und es gibt natürlich keine Plastikflaschen mehr, die entsorgt werden müssen.

Das ist eine wirklich einfache, sinnvolle und kostengünstige Lösung, die ich vorbehaltlos zur Nachahmung empfehlen kann. Wir kommen nun schon seit Oktober des Vorjahres mit einem Liter aus (also fast sieben Monate) und ich schätze, es wird noch sicher weitere zwei Monate reichen. Und einmal pro Dreivierteljahr hat wahrscheinlich fast jeder Mensch Gelegenheit, in einem Bioladen offenes Geschirrspülmittel zu kaufen (In Graz z.B. in der Kornwaage)

Neues Einsatzgebiet für einen alten Bekannten

Was das restliche „Werkzeug“ beim Geschirrspülen anbelangt, haben wir ebenfalls eine plastikfreie und sehr kostengünstige Variante entdeckt. Wir verwenden dafür jetzt Frottewaschlappen. Alle paar Tage werden sie einfach mit der Wäsche mitgewaschen. Das erspart uns die ständig stinkenden „Wettex“ und ähnliche Wegwerfprodukte. Wir sparen also in diesem Fall wieder einmal Geld, Müll und zusätzlich noch Gestank ein. Ich glaube, das ist eine „Win-win-win-Situation“ !

Hygienisch, praktisch, gut

Hygiene soll laut einer Definition der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie der „Verhinderung von Krankheiten und  der Erhaltung und Festigung der Gesundheit“ dienen.

Wenn man heutzutage über Aufbewahrung, Transport und Verarbeitung von Lebensmitteln nachdenkt, kommt man an Plastik nicht vorbei

„Hygienisch, praktisch, gut“ weiterlesen

Putzen und Waschen (Teil 2)

Die eifrige Waschmitteldiskussion der letzten Tage hat mich veranlasst, endlich den zweiten Teil des (von mir eher ungeliebten) Putz- und Waschthemas zu schreiben. Nun ja, man schreibt eben lieber über Dinge, die einem Spaß machen… Nichts desto trotz ist das Thema „Waschen“ in einer fünfköpfigen Familie wie unserer einfach ein „Dauerbrenner“.

Wäscheberge

Unsere Kinder haben relativ viel – dafür aber hauptsächlich gebrauche – Kleidung, die wir in erster Linie von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen. Das hat den Vorteil, dass wir extrem wenig Geld für Kinderkleidung ausgeben und diverse Schadstoffe aus den Kleidungsstücken schon vorher ziemlich herausgewaschen sein dürften. Ich habe also das gute Gefühl, dass unsere Kinder relativ „gesunde“ Kleidung tragen, auch wenn nicht alles aus Biobaumwolle besteht.

Der Nachteil der großen Kleidungsauswahl ist allerdings, dass die Kinder zu einem sehr inflationären Umgang mit ihren Sachen neigen. Nach meiner Erfahrung ziehen sich Kinder prinzipiell gerne um, und die Aufforderung Kleidungsstücke wieder wegzuräumen führt ohne entsprechende Kontrolle meist dazu, dass Berge von maximal einmal getragenen Stücken in der Schmutzwäsche landen. Dass „Wäschesparen“ etwas mit Umweltschutz zu tun hat, gehört zur Bewusstseinsbildung und in diesem Fall natürlich zur Erziehung der Kinder . Die bisher effizienteste Art, ihnen das Wäschesparen beizubringen, ist das „selber Wegräumen“ der Wäsche .  Trotz anfänglicher Proteste und des Vorwurfs der „Kinderarbeit“, hat diese Maßnahme tatsächlich zu einer deutlichen Schmutzwäscheersparnis geführt und ich kann sie daher bedenkenlos weiterempfehlen.

Dennoch bleibt natürlich immer noch eine recht stattliche Menge an Schmutzwäsche übrig. Unsere Waschmaschine läuft im Schnitt sicher fünf- bis sechsmal pro Woche. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die wenig neue und doch so effiziente Erkenntnis im Umgang mit Waschmitteln lautet wie schon so oft – weniger verwenden!!

Ich habe bisher hauptsächlich flüssige Waschmittel verwendet, die es natürlich nur in Plastikflaschen gibt. Als Weichspüler bzw. Wasserenthärter verwende ich schon seit Jahren Essig, was einwandfrei funktioniert, günstig ist und auch der Waschmaschine bisher absolut nicht geschadet hat.

Plastikfreie und umweltschonende Alternativen, die ich ausprobiert habe, sind unter anderem Waschnüsse, Seifenflocken und Ökowaschmittel der Fa. Ecovert, Sonett und Almawin, wobei es von Sonett auch ein aus dem Großkanister nachfüllbares Flüssigwaschmittel gibt (im Bioladen). All diese Mittel sind meiner Meinung nach sowohl unserer Gesundheit, als auch unserer Umwelt weitaus zuträglicher als herkömmliche Waschmittel (die Phosphate, Chlor, …usw. enthalten). Und egal ob man Seifenflocken oder Waschnüsse offen kauft oder Ökowaschmittel aus der Kartonbox verwendet: Man vermeidet auf jeden Fall große Mengen an Plastikmüll.

Amtlich bestätigt!

Zum Thema Wäschewaschen habe ich übrigens auch einen Mediziner vom Bundesumweltamt befragt. Seine Aussage dazu war genauso klar wie einfach: Ein mildes Waschmittel (möglichst auf Seifenbasis) in der geringsten möglichen Dosierung verwenden. Seines Erachtens werden Waschmittel prinzipiell überdosiert, was nicht nur der Umwelt schadet, sondern auch für Haut- und sonstige gesundheitliche Probleme verantwortlich sein kann.

Ich persönlich bin jedenfalls mit der „Waschleistung“ meines gering dosierten Ökowaschmittels ausgesprochen zufrieden, zumal ich – wie schon in „Waschen und Putzen Teil 1“ erwähnt – auch vorher nie ein Wunderwaschmittel gefunden habe, das alle Flecken immer restlos entfernt hat.

Und es ist wirklich ein gutes Gefühl, in diesem doch so wichtigen Bereich des Haushalts kaum mehr Müll zu produzieren.

Fortsetzung folgt!

Stranderlebnisse

Eine „Vorahnung“ von Plastic Planet hatten wir bereits vergangenen Sommer. Wie schon in den letzten paar Jahren, sind wir in der letzten Ferienwoche nach Kroatien gefahren. Natürlich ist uns nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass an den – um diese Zeit wirklich schon einsamen und idyllischen Stränden – teilweise beträchtliche Mengen an Müll lagern.

Irgendetwas war im Vorjahr allerdings anders. Vielleicht lag es daran, dass Kroatien (möglicherweise als eine Art „Notwehrreaktion“) 2009 ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt hat. Für Plastikflaschen jeder Art und Größe erhält man nun bei Rückgabe im Geschäft bares Geld. Wahrscheinlich hat das unseren Fokus noch stärker auf den Plastikmüll an den Stränden gelegt. Samuel, dem man eine gewisse „natürliche“ Geschäftstüchtigkeit attestieren muss, witterte auch sogleich eine Gelegenheit, sein Taschengeld ein wenig aufzubessern.

Allerdings hat sich die Thematik damit nur um einen neuen Aspekt erweitert. Auf die wirklich brennende Frage unserer Kinder „Warum schmeißen die Leute ihren ganzen Müll auf die schönen Strände?“, konnten wir seit Jahren nicht befriedigend antworten, was allerdings – und das wurde mir tatsächlich erst im letzten Jahr in voller Tragweite bewusst – nicht nur an der mangelnden Fähigkeit lag, sich in die Motivationslage anderer Menschen einzufühlen. In gewisser Weise war hier tatsächlich die Frage falsch gestellt.

Der Müll kommt „von selbst“, aber nicht freiwillig

Wir hatten uns angewöhnt, die Buchten, die wir im Laufe des Vormittags aufsuchten, zuerst von Plastik (und sonstigem Müll) zu „befreien“, den wir dann vorläufig an einer Stelle anhäuften. Unsere eigenen, auch nicht unbeträchtlichen Mengen an Plastikmüll samt den gesammelten „Fremdmüllhäufen“ transportierten wir allabendlich brav vom Strand ab. Da wir teilweise tatsächlich bis zum Abend alleine am Strand waren, wurde es schließlich doch klar, dass die großen Mengen an Plastikmüll, die sich schon am nächsten Morgen wieder am selben Strand angesammelt hatten, nicht von irgendwelchen vereinzelten nächtlichen Strandbesuchern stammen konnten. Nicht nur Menge, sondern auch die Beschaffenheit des Mülls waren für diese Erkenntnis Ausschlag gebend: Plastikkisten, Plastikpaletten, Plastikflaschen und –verschlüsse jeglicher Art, verschiedenste Verpackungen aus Plastik und natürlich jede Menge Plastiksackerl in allen Größen und Farben. Es gibt zwar auch noch immer genug Urlauber, die es nicht schaffen, die mitgebrachten Verpackungen im leeren Zustand wieder vom Strand mitzunehmen, aber diese Menge und Mischung war dadurch alleine nicht erklärbar.

Der Müll kam also tatsächlich „von selbst“ auf den Strand, was aber natürlich auch keine wirklich plausible Erklärung war. Aber wie erklärt man Kindern (oder sich selbst) plausibel, weshalb ein Meer, an dessen Ufer man sich zum Zwecke des Naturerlebens und der Erholung begibt, über Nacht einen sauber verlassenen Strand in eine Müllhalde verwandelt? Naja, natürlich macht das Meer das nicht „freiwillig“.

In Plastic Planet gibt es eine sehr schöne Szene, in der John Taylor, der Chef von PlasticsEurope, Werner Boote erklärt, dass „die Gesellschaft“ für die Umweltproblematik, die durch Plastik entsteht, verantwortlich ist. Als ich voriges Jahr beim Anblick der immer wieder kehrenden Plastikflut leicht deprimiert in der Sonne saß, kannte ich diese Aussage noch nicht! Beim Nachdenken darüber, warum das Meer all diese Dinge anspült, machte ich mir dennoch auch ein paar Gedanken darüber, wer denn nun dafür verantwortlich sein könnte. Und mir kam auch schon der Gedanke, dass da in der angeblich so logischen Kette von Mülltrennung, Recycling, schadstoffarmer Verbrennung usw. irgendetwas nicht stimmen kann. Denn woher käme sonst all der Müll? Diese vielleicht für manche etwas naiv anmutende Frage stellte ich mir allerdings im ernsthaften Bemühen, eine verständliche Antwort auf die Fragen der Kinder zu finden.

Auf den eigentlich so einfachen und logischen Schluss, dass das Problem ganz entscheidend mit jeder einzelnen unserer Kaufentscheidungen zusammenhängt, brachte mich endgültig aber erst der Film.

Vom Umdenken zum „Umhandeln“

Gewiss gibt es für Plastik auch sehr sinnvolle Anwendungsbereiche, aber „die Gesellschaft“ verwendet Plastik (also Materialien, die einige 100 Jahre haltbar sein können) in rauen Mengen als Wegwerfprodukt und fördert damit eine Industrie, die uns zwar weismachen will, dass das alles unbedenklich und sauber ist, für die unübersehbaren Konsequenzen dieser Unwahrheit allerdings keine Verantwortung übernimmt. Um das festzustellen, brauchen wir nicht in den Pazifik zu reisen!

Selbst wenn wir es schaffen, uns die Schadstoffbelastung durch Kunststoffe teilweise „schönzureden“ (was ja ein nicht ganz unverständliches Schutzverhalten ist, wenn man diese Materialien jahrzehntelang unbekümmert benutzt hat…), daran dass Mülltrennen nicht reicht, daran, dass Recycling nicht ausreichend funktioniert, daran, dass sich auch die Schadstoffe in den Filtern der besten Müllverbrennungsanlagen der Welt NICHT in Luft auflösen, führt kein Weg vorbei!

Für mich als Teil dieser Gesellschaft war es letztlich ein logischer Schluss, dass ich auch eine Verantwortung für all das trage (insofern muss ich dem PlasticsEurope-Chef tatsächlich Recht geben). Unser Experiment war in diesem Sinne auch ein Versuch, festzustellen, wie wir diese Verantwortung wahrnehmen können und wie sich das auf unser alltägliches Leben auswirkt.Sozusagen der logische Schritt vom Umdenken zum „Umhandeln“ .

Und aufmerksame LeserInnen dieses Blogs konnten vielleicht schon erkennen, dass es sich bisher äußerst positiv ausgewirkt hat.

Backend:

„Farbe ins Gesicht schmieren“

Heute komme ich also endlich zu dem Thema, das mein Sohn Samuel schon ganz zu Beginn des Experiments als eines der „Hauptprobleme“ identifiziert hat (O-Ton Samuel: „Die Mama wird am meisten Probleme haben, weil ihre Kosmetiksachen sind alle aus Plastik!“)

Obwohl aus meinem ursprünglichen Vorhaben einen Monat lang gänzlich auf Kosmetik zu verzichten, nichts geworden ist, möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass ich mich dennoch zu den Frauen zähle, die sich auch ungeschminkt aus dem Haus „wagen“ – ich würde sogar sagen, dass das der Normalfall ist.

Wenn ich mir dann allerdings doch einmal „Farbe ins Gesicht schmiere“ (so wird das in unserer Familie allgemein genannt), muss ich mit umfassender Kritik sämtlicher Familienmitglieder rechnen. Peter, der sowieso findet, dass ich ungeschminkt besser aussehe, hat eine leichte Allergie (um nicht zu sagen Hysterie) gegen Lippenstifte, was sich mittlerweile auch schon auf Samuel und Leonard übertragen hat.

„Warum machst du das eigentlich?“ – Die Sinnfrage

Marlene hingegen steht während des Schminkens oft kopfschüttelnd, aber doch leicht fasziniert neben mir und stellt mir jedes Mal wieder dieselbe Frage: „Mama, warum machst du das?“ Offensichtlich ist es mir bisher noch nicht gelungen, diese Frage für sie zufriedenstellend zu beantworten.

Als ich mich jedoch im Zuge des Experiments selbst gefragt habe, was hinter meinen Schminkgewohnheiten steckt, habe ich festgestellt, dass es dabei gar nicht nur darum geht, mich „schöner“ zu fühlen (böse Zungen behaupten ja sogar, ich würde geschminkt älter aussehen, was in meinem Alter nun wirklich kein Kompliment mehr ist), sondern dass das Schminken selbst als „Ritual“ einfach irgendwie positiv besetzt ist. Auch wenn dieses Ritual natürlich in vielerlei Hinsicht fragwürdig ist (Woher kommt eigentlich die Idee, dass wir mit Farbe im Gesicht schöner aussehen? Warum glauben das eigentlich fast nur Frauen?), werde ich mich hier darauf beschränken die – ohnehin sehr raren – Alternativen vorzustellen, die mir gesundheitlich und ökologisch zumindest einigermaßen verträglich erscheinen.

Im „Rausch der Farben“ (Dekorative Kosmetik!) darf man natürlich nicht vergessen, dass auch noch jede Menge „pflegende Kosmetik“ darauf wartet, zur Erhaltung unserer Schönheit beizutragen. (Dazu gleich vorweg noch ein weiteres Geständnis: Auch ich habe mir in einem Anflug von leicht verspäteter „30er-Krise“ vor einigen Jahren schon mal eine Anti-Falten Creme gekauft. Sie ereilte allerdings dasselbe Schicksal wie das „Wunderwaschmittel“ aus meiner Kindheit. Der versprochene Effekt war zumindest mit den mir zur Verfügung stehenden Methoden nicht nachweisbar – vielleicht sind meine Falten ja einfach noch nicht tief genug…?)

Nun aber zu den Alternativen:

Das ist diesmal wirklich sehr einfach, denn ich habe zumindest im Bereich der dekorativen Kosmetik nur eine einzige Firma gefunden, deren Produkte ich guten Gewissens empfehlen kann: „Grüne Erde“.

Die Kosmetikartikel sind frei von synthetischen Konservierungsmitteln, Silikonen, Tensiden Duftstoffen und Mineralölen, zu mindestens 95 Prozent aus kontrolliertem biologischen Anbau und ohne Tierversuche hergestellt. Außerdem sind die Inhaltsstoffe (auch in Deutsch!) vollständig aufgelistet.

Besonders erfreulich ist, dass es von der Marke „Angana“ tatsächlich auch Rouge, Make-up, Lidschatten und Lippenstift in Ahornholzverpackungen gibt, die man nicht wegwerfen muss,  sondern wiederbefüllen kann, wenn der Inhalt aufgebraucht ist. Wenn man bedenkt, wie viel Verpackungsmüll bei Kosmetikartikeln im Verhältnis zum Inhalt normalerweise anfällt, ist alleine das schon ein wirklich guter Grund, umzusteigen!

Ich persönlich habe bisher allerdings nur den Lidschatten ausprobiert. Lippenstift verwende ich kaum (Peter!) und Make-up habe ich überhaupt noch nie verwendet und wollte auch für das Experiment nicht extra damit anfangen. Für alle, die so etwas verwenden wollen, sind die „Grüne Erde“ Produkte aber meiner Meinung nach eine wirklich gute Alternative.

Auch im Bereich der „pflegenden Kosmetik“ gibt es bei der „Grünen Erde“ noch sehr viele Artikel, die entweder in Papier oder in Glas verpackt sind und deren Inhaltsstoffe ebenfalls den oben genannten Kriterien entsprechen.

Erdöl ins Gesicht schmieren?

Ein Skeptiker aus meinem Bekanntenkreis hat übrigens unlängst erst zu mir gesagt: „Wenn du so auf Natur stehst, kannst du ja eh Erdölprodukte verwenden. Erdöl ist ja auch ein reines Naturprodukt!“

Nun ja, ich musste ihm prinzipiell Recht geben, allerdings mit der kleinen Zusatzbemerkung, dass wohl kaum jemand auf die Idee kommen würde, das reine Naturprodukt Erdöl direkt auf die Haut aufzutragen. Die Tatsache, dass ich mir gar nicht vorstellen mag, wie aus einem giftigen, stinkenden, braunen Stoff all die netten Kosmetikprodukte und ihre Verpackungen werden können, wird mich wohl zukünftig davor bewahren zum Zwecke der „Verschönerung“ zu solchen Mitteln zu greifen.

Im Zweifelsfall gilt wie so oft das „Weniger ist mehr – Prinzip“, wodurch sich auch die höheren Kosten von qualitativ hochwertigen Kosmetikartikeln wieder relativieren!

Ein persönliches Kaufkriterium noch zum Abschluss: Nichts kaufen, was Inhaltsstoffe enthält, die mein siebenjähriger Sohn Leonard nicht problemlos lesen und aussprechen kann!

Die „Entdeckung“ der Wascherde

Bevor ich mich dem wirklich heiklen Thema Kosmetik widme, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich bei Sigrid zu bedanken. Sie hat mir vor kurzem in einem Kommentar auf dem Webblog den Tipp mit der Wascherde gegeben. Nachdem ich Wascherde nun bereits für Haut und Haar ausprobiert habe, bin ich zumindest vom kurzfristigen Ergebnis absolut begeistert. Für mich ist diese „Entdeckung“, zumindest was den täglichen Gebrauch zu Hause betrifft, momentan der absolute Spitzenreiter unter den Alternativprodukten!

Wascherde (auch „Lavaerde“ von lat. lavare=waschen) bekommt man in Apotheken, Reformhäusern und Bioläden in Pulverform und in Papier verpackt. Ich habe sie bisher von der Firma Logona und von der Firma Tautropfen gesehen. Das Pulver wird direkt vor der Anwendung in der gewünschten Menge mit Wasser angerührt und ist nach ca. einer Minute gebrauchsfertig.

Statt rosa Schaum aus der Tube: erdiges Sinnerlebnis

In einem Bereich wie Körperpflege, wo man üblicherweise nur Produkte von zuckerlrosa bis pastellgrün in Duftnoten von Kiwi bis Mango gewohnt ist, mutet es anfangs ein wenig seltsam an Haut und Haar mit einer Schlammpackung ähnlichen, völlig neutral riechenden Substanz zu behandeln. Doch das Ergebnis spricht eindeutig für sich und gerade für Kinder ist der „Schlammpackungseffekt“ durchaus auch ein lustiges, sinnliches Erlebnis.

Wascherde ist ein reines Naturprodukt und wirkt nicht, wie alle tensidhaltigen Mittel durch Herabsetzung der Oberflächenspannung des Wassers, sondern dadurch, dass die feinen Partikel Schmutz und überschüssiges Fett direkt aufnehmen und binden. Das hat für den entscheidenden Vorteil, dass die Haut nicht völlig entfettet wird und ihre natürlichen Schutzmechanismen durch den Waschvorgang nicht gestört werden. Längerfristig soll sich das auch sehr positiv auf stark fettendes oder schuppiges Haar und trockene Haut auswirken. Ich werde das bei Leo, der ein wenig zu Neurodermitis neigt jedenfalls genau beobachten und gegebenenfalls über entsprechende Effekt berichten.

Für diejenigen, denen das Anrühren zu aufwändig erscheint, gibt es auch gebrauchsfertige Varianten, die allerdings soweit ich das feststellen konnte alle in Plastiktuben verpackt sind. Allerdings halte ich das wegen des positiven Effekts auf Haut, Haar und Umwelt in diesem Fall immer noch für eine recht vernünftige Variante. Denn gerade bei Körperpflegeprodukten und Putzmitteln stellen die Inhaltsstoffe oft ja noch ein weitaus größeres Problem für Umwelt und Gesundheit dar, als die Verpackung. Hier gilt es im Einzelfall abzuwägen, welches Produkt den individuellen Anforderungen am besten entspricht. Ich persönlich habe schon als Kind den Umgang mit Matsch und Erde geliebt und werde daher sooft wie möglich das „selber Anrühren“ praktizieren.

„Erdwaschung“ statt Gehirnwäsche

Die Entdeckung von Wascherde ist aber für mich nicht nur ein großer Gewinn in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden, sondern auch ein weiterer Schritt, mich von jahrzehntelanger Werbungs-Gehirnwäsche zu befreien. Denn aus – möglicherweise nicht ganz lauteren – Gründen wird uns leider meist sehr erfolgreich suggeriert, dass Menschen am besten schon vom ersten Lebenstag an mit Produkten gewaschen und gepflegt werden müssen, deren Inhaltsstoffe höchstens ChemikerInnen bezüglich ihres Nutzens oder Schadens einschätzen können. Dennoch kommt die Botschaft offensichtlich so gut an, dass es sich für die Produzenten immer noch lohnt, wieder eine andere Duftnote oder einen sensationell neuen Inhaltsstoff auf den Markt zu bringen. Gerade so als wäre es ein Naturgesetz, dass sich nur diejenigen sauber, gepflegt und schön fühlen dürfen, die willig und gehorsam den Versprechen einer gigantischen Werbemaschinerie auf den Leim gehen.

Warum habe ich eigentlich noch nie (immerhin schon 38 Jahre lang!!) eine Werbung für Wascherde gesehen? Die Antwort liegt- zumindest für mich- auf der Hand (oder vielleicht sollte man eher sagen: auf den Kontos der Konzerne, die hinter alle den bunten und duftenden Shampoos und Duschgels stehen). Aber natürlich muss auch hier jede(r) für sich nach Antworten suchen.

Resümee aus dieser Geschichte

Mein persönliches Resümee aus dieser Geschichte, fügt sich jedenfalls recht gut in das bisher Geschriebene: Ich werde noch konsequenter das meiden oder zumindest sehr kritisch hinterfragen, was in großem Stil beworben wird und noch genauer nach Produkten suchen, die gesundheitlich und ökologisch verträglicher sind. Dazu gehört für mich als erstes die Frage, ob ich so ein Produkt überhaupt brauche und wenn ja, in welcher Quantität und Qualität, es mir sinnvoll erscheint.

In diesem Sinne möchte ich abschließend noch eine Möglichkeit in den Raum stellen:

Man kann sich ohne Schaden zu nehmen oder der Umgebung ungut aufzufallen (zumindest wenn ich meinen „Testpersonen“ glauben darf) manchmal auch NUR mit Wasser waschen!

Das Buch zum Film „Plastic Planet“

Vor einigen Tagen bekamen wir Besuch von Gerhard Pretting, der für das Buch zu „Plastic Planet“  abschließend auch ein Kapitel über Lösungsansätze schreiben wird. Und dafür soll unser Experiment ein Beispiel sein!

Für dieses Buch interviewt zu werden, war natürlich schon etwas ganz Besonderes für mich. Gerhard hat uns durch sein genaues Nach- und Hinterfragen auch dazu gebracht, wirklich alle Details unseres Experiments noch einmal genau zu überdenken und zu beschreiben.

Hinter uns liegen mittlerweile immerhin fast vier Monate intensiver Beschäftigung mit dem Thema Plastik (sowie mit allen möglichen anderen Dingen, die damit zusammenhängen) und in dieser Zeit hat sich nicht nur unser Wissensstand, sondern auch unser Bewusstsein für das Thema natürlich entscheidend weiterentwickelt.

Vom jetzigen Stand aus war es teilweise gar nicht so leicht, sich noch einmal in die Ausgangsposition zurück zu versetzen und Fragen zu beantworten wie:

  • Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Umstellung?
  • Was habt ihr endgültig aus dem Haushalt verbannt?
  • Worauf wollt ihr nicht verzichten?
  • Wie waren die ersten Reaktionen von Freunden und Verwandten?
  • Was sind die größten Vorteile die ihr bisher festgestellt habt?

Plastikfreies Leben schon ganz normal

Während des Interviews habe ich immer wieder bemerkt, wie „normal“ für uns inzwischen das plastikfreie Einkaufen geworden ist, ja dass es in vielen Bereichen mittlerweile sogar die einfachere Variante ist, weil wir uns planlose Shoppingtouren und Entscheidungsprobleme im Überangebot von Supermärkten einfach gänzlich ersparen.

Gerhard war natürlich ein extrem gut vorbereiteter Interviewer (laut eigenen Angaben hat er sich seit Wochen fast ausschließlich mit dem Thema Plastik beschäftigt) und wollte zum Beispiel auch über den Kostenfaktor des Experiments alles ganz genau wissen.

Bei der Beantwortung dieser Frage hat sich wie schon so oft herausgestellt, dass das – von uns ja tatsächlich so erlebte (und durch unseren Jahresabschlusskontostand belegte) -„Einsparungspotential“ ganz entscheidend mit der veränderten Einstellung beim Einkaufen zusammenhängt und nicht hauptsächlich durch die Einzelpreise der Produkte erklärbar ist.

Dennoch gibt es in den Listen der Alternativprodukte, die ich Gerhard geschickt habe, auch einige (auch in diesem Webblog schon teilweise erwähnte) Produkte oder Lösungen, die tatsächlich für sich gesehen auch günstiger kommen.

Kaum Verzicht und mehr Spaß

Das Auflisten der Dinge, die wir endgültig entfernt haben, war ebenfalls sehr interessant, da wir alle einstimmig feststellten, dass uns nichts davon bisher wirklich abgegangen ist.

Ich kenne natürlich durchaus Leute (und es melden sich jetzt auch viele), die schon immer oder zumindest schon sehr lange kaum Plastik in ihrem Haushalt haben und teilweise auch sonst noch viel umweltbewusster leben als wir. Für uns ist es jedenfalls immer wieder erstaunlich wie wenig unser Experiment (oder mittlerweile wohl eher Lebensstil) mit „Verzicht“ zu tun hat und wie viel Spaß es nach wie vor macht, auf diesem Weg immer wieder noch einen Schritt weiter zu gehen, sich weiter zu entwickeln, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und bei Bedarf über Bord zu werfen. Ich denke, dass das Kapitel über Lösungsansätze im Buch zu „Plastic Planet“ in diesem Sinne für die Einen eine Bestätigung und für die Anderen eine Motivation zum selber Ausprobieren wird.

Shampoo, Zahnpasta und Co. oder „Kann man auch ohne Plastik sauber sein?“

Mein erster und letzter Versuch, mir mit Schichtseife die Haare zu waschen

Meine Haare halten zugegebenermaßen Einiges aus, daher habe ich mir die Umstellung auf  Schichtseife nicht so gravierend vorgestellt, wie bei jemandem, dessen Frisur mit Spezialpflegeshampoos, Packungen, Kuren, Sprays, Gel und sonstigen am Markt erhältlichen Haarpflege- oder Stylingprodukten in Schuss gehalten wird. Ich muss aber zugeben, dass meine Naturwelle nach der Waschung mit Schichtseife tatsächlich noch schwieriger zu bändigen war als bisher („struppig“ wurde meine Frisur sogar von jemandem genannt!!), was ich im Rahmen unseres Experiments sogar in Kauf  genommen hätte, wenn ich nicht doch noch bessere Alternativen gefunden hätte.

Was es alles gibt! Haarschampooseife und Rezepte zum Selbermachen

Zum Glück hat Peter nämlich zwei nette Arbeitskolleginnen, die sich schon seit einiger Zeit mit der Herstellung von natürlichen Körper- und Haarpflegeprodukten beschäftigen. Durch diese beiden haben wir zum ersten Mal etwas über „Haarshampooseifen“ erfahren und konnten diese Dank großzügiger Spenden inzwischen auch schon ausgiebig testen.

Die Shampooseifen kommen gänzlich ohne Verpackung aus und pflegen das Haar ganz wunderbar (wäre doch ein netter Werbespruch, oder?).

Bei mir hat sich sogar noch ein positiver Pflegeeffekt eingestellt: Mein ansonsten gar nicht seidiges Haar, lässt sich tatsächlich auf einmal leichter frisieren und sieht nicht mehr so trocken aus. (Das ist zumindest mein subjektiver Eindruck, denn Peter, der allerdings auch nach Friseurbesuchen meinerseits noch kaum jemals eine Veränderung bemerkt hat, kann natürlich auch hier keinen Unterschied feststellen.)

Haarshampooseifen gibt es übrigens auch im „Großen Stil“ z.B. von der Firma „Lush“, allerdings kann ich da über die Inhaltsstoffe nichts Genaues sagen, da ich sie selber noch nicht gekauft habe.

Denjenigen, denen die Vorstellung von einem Stück Seife als Shampoo nicht behagt, kann ich als Alternative noch die Haarpflegeprodukte der Firma Weleda empfehlen. Es gibt Kastanien- und Salbeishampoon in der Metalltube (nur mit Plastikschraubverschluss) mit natürlichen Inhaltsstoffen und ich finde beide sehr empfehlenswert und extrem ergiebig.

Eine weitere Variante möchte ich ebenfalls nicht unerwähnt lassen:

Man kann Shampoo auch (angeblich relativ einfach) selber machen. Zahnpasta übrigens ebenso. Ich habe im Internet dazu schon viele Rezepte gefunden, bin aber mangels zeitlicher Ressourcen bisher noch nicht dazugekommen, sie selber  auszuprobieren. Dass es funktioniert, beweisen einige geschenkte Glasfläschchen mit selbst gemachtem Shampoos  aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis. (Leider konnte ich noch nicht alle testen.)

Ganz Ähnliches wie für Shampoo gilt natürlich auch für Duschgel, wobei wir in diesem Bereich mittlerweile feste Seifen mit möglichst natürlichen Inhaltsstoffen bevorzugen. Ich finde, dass diese in der Anwendung weitaus sparsamer sind und außerdem (wenn eine gute Qualität gekauft wird) auch die Haut nicht so stark austrocknen.

Die Sache mit der Zahnpasta oder warum Peter kein Salz mehr in der Küche fand

Was Zahnpasta anbelangt, gibt es ebenfalls einige Varianten: Ich selbst bin ja eine Verfechterin der Theorie, dass Zahnpasta für eine gute Zahnhygiene nur marginal von Bedeutung ist. Diese Theorie stützt sich auf die Aussage eines Zahnarztes, der mir vor vielen Jahren einmal erklärt hat, dass es vielmehr auf das richtige und gründliche Putzen ankommt und normales Kochsalz eine absolut ausreichende Alternative zu Zahnpasta darstellt.

Diese Möglichkeit habe ich im Zuge des Experiments natürlich ausprobiert und sie wäre für mich auch absolut befriedigend gewesen, wenn Peter das Salz nicht ständig in der Küche gesucht hätte. (Mittlerweile haben wir es geschafft, ein eigenes Salzglas fürs Badezimmer zu organisieren.)

Da reines Kochsalz in unserer Familie aber außer mir niemand verwenden will, haben wir auch weiterhin „normale“ Zahnpasta im Gebrauch. Diese gibt es ebenfalls von der Firma Weleda in Metalltuben (und in 5 verschiedenen Sorten).

Fortsetzung folgt:

Dem Thema „Kosmetik“, das mein Sohn Samuel ja zu Beginn des Experiments als eines der Hauptprobleme meinerseits einstufte, werde ich demnächst ein eigenes kleines Kapitel widmen.

Plastikfrei ins Finale: Silvester 2010

Ein Fest, ein Resümee und eine kleine „Abrechnung“

Um es gleich vorwegzunehmen: Silvester war auch heuer ganz prinzipiell ein Tag wie jeder andere. Auch die Tatsache, dass unsere Vorräte für die Zeit in der Hütte diesmal plastikfrei waren (bis auf die schon erwähnte Käse – Notration und noch ein paar andere Kleinigkeiten, die Sonja und Gerhard mitgebracht hatten) hat nichts daran geändert…

Chips nach Mitternacht

An dieser Stelle bleibt es mir wohl auch nicht erspart, zu gestehen, dass ich Sonja geradezu genötigt habe, für die Silvesternacht Chips einzukaufen. Da sie eine wirklich gute Freundin ist, hat sie meinem Drängen schließlich nachgegeben, obwohl sie selbst kaum welche isst.

Hätte es auf der Alm eine Möglichkeit gegeben, kurz nach Mitternacht irgendwo ein Packerl Chips einzukaufen, hätte ich das natürlich selber getan, aber so war der Ehrgeiz bis Silvester den plastikfreien Einkauf durchzuhalten doch größer, auch wenn es natürlich in der  Sache völlig unerheblich ist, wer von uns das Packerl Chips gekauft hat.

…und ein paar kleine „Plastiksünden“ im Feier-Ausnahmezustand

Abgesehen davon gab es- wie Sonja und Gerhard in ihrem Kommentar schon verraten haben- auch noch ein paar andere kleine „Plastiksünden“ in Form von Naschereien und Knabbergebäck, das unsere Gäste mitgebracht hatten.

Was den ebenfalls bereits erwähnten Glühwein im Plastikbecher bei den Hüttennachbarn anbelangt, muss ich allerdings bemerken, dass mir zumindest der erste Becher wirklich schwer fiel (nach dem zweiten wurde es dann leichter!). Aber irgendwie war es mir in dem Moment einfach zu mühsam, den nichts ahnenden Hüttennachbarn zu erklären, dass wir uns im Endspurt eines Experiments befinden, wo heiße Getränke aus Plastikbechern eigentlich überhaupt nicht gehen.

Sonja und Gerhard, die später nachkamen und schon vorgewarnt waren, haben sich dann klugerweise gleich mit ordentlichen Keramikteehäferln ausgerüstet.

Das kurz darauf folgende Feuerwerk ließ uns erahnen, dass die Krise diesen Bereich wohl nicht besonders hart getroffen hat oder die „schießenden“ Bergbesucher eben lieber bei anderen Dingen sparen….

Resümee zum Experiment

Nun aber zum (vorläufigen) Resümee, denn die „offizielle“ Experimentphase ist ja mit Silvester 2010 zu Ende gegangen:

Für uns als Familie war das Experiment in jeder Hinsicht eine große Bereicherung. Durch die „Veröffentlichung“ hat die ganze Sache zwar einen für uns unerwartet großen Rahmen bekommen, aber die damit verbundenen Termine und Kontakte waren und sind unglaublich interessant und oft auch sehr amüsant.

Konsequenzen, Spass und Erfolge

Es gibt viele positive Konsequenzen aus dem bisherigen Verlauf des Experiments (man könnte sie sogar als Erfolge bezeichnen):

  • In allen Bereichen, die uns wegen der gesundheitlichen Aspekte und weil Plastik hier einfach nur ein „Wegwerf-Nebenprodukt“ ist, besonders wichtig waren (Ernährung, Körperpflege, Waschen, Putzen), ist uns eine nahezu vollständige Umstellung auf plastikfreie Produkte gelungen. Bei vielen Dingen haben wir auch bemerkt, dass man sie ersatzlos streichen kann, ohne sie auch nur im Geringsten zu vermissen. (z.B.: Mikrowelle, die meisten Putzmittel, Flüssigseife,..)
  • Als unmittelbare Auswirkung davon, befindet sich unsere Müllproduktion auf einem historischen Tiefststand.Wir haben so gut wie keinen Plastikmüll mehr (bis auf vereinzelte Geschenke bzw. deren Verpackungen, Postsendungen und ein paar Altbestände). Der Restmüll hat sich ebenfalls drastisch reduziert, was ich darauf zurückführe, dass wir insgesamt seit Beginn des Experiments einfach viel „verpackungsärmer“ einkaufen und natürlich auch keine verschmutzten Plastikverpackungen mehr im Restmüll landen können. Altmetall gibt es hauptsächlich in Form von Bierkapseln und einigen wenigen (nicht beschichteten) Dosen. Papierverpackungen (z.B. Sackerl für Brot und Gebäck) verwenden wir mehrmals wieder. Selbst bei Altglas gibt es keine deutlich Steigerung, da wir jetzt viel mehr Pfandgläser- und Flaschen verwenden als früher.
  • Es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht (und das wird es hoffentlich auch weiterhin) mit Hilfe unserer Kinder und Freunde in den verschiedensten Lebensbereichen plastikfreie Alternativen zu suchen und zu finden. So gesehen war die ganze Sache auch wirklich ein kreativer Akt und das Schöne ist, dass laufend neue Ideen entstehen, wie man das ganze Projekt noch weiter entwickeln  und verbreitern könnte.
  • Auch die Kinder sind mit ihrem „etwas weniger Spielzeug“ anscheinend „etwas mehr zufrieden“, was sich für mich dadurch zeigt, dass sie mit dem („eh noch vielen“), was  sie jetzt zur Verfügung haben, viel mehr spielen als vorher. Leo hat zwar seine Playmobil Ritterburg nach ca. einem Monat wieder ins Haus geholt, wodurch sie quasi ein neues Spielzeug war, aber gegen die Kapplasteine hat selbst sie im Moment keine Chance.
  • Am meisten freut mich natürlich, dass aus dem Experiment mittlerweile so etwas wie eine Lebenseinstellung geworden ist, was wiederum sehr viele positive Nebeneffekte hat, über die ich ein Andermal genauer berichten möchte.

Da ich teilweise ein wenig zu „schwarz-weiß-Sichtweisen“ neige, bin ich sehr froh darüber, dass wir durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema nicht zu „Kunststoffverteuflern“ geworden sind, sondern nur sehr viel kritischer überlegen und entscheiden, wo wir Kunststoffprodukte verwenden wollen und wo eben nicht!

Nun zur Abrechnung

Keine Angst es ist nicht so schlimm wie es klingt. Da Mathematik nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt, ist es sogar eine Abrechnung ganz ohne Zahlen:

Da wir durchschnittliche Verdiener sind und der uns zur Verfügung stehende Betrag  bisher fast immer verbraucht wurde bzw. durch regelmäßige Sparformen gebunden war, wäre uns ein eventueller (und vielfach prognostizierter) Mehrverbrauch durch den plastikfreien Einkauf sofort aufgefallen. Das ist aber nicht passiert – im Gegenteil: Heuer kurz nach Weihnachten hatten wir wundersamer Weise (und natürlich ohne einnahmenseitige Erhöhungen!) um einige 100€  mehr am Konto als in den Jahren zuvor. Da plastikfreie Produkte aber für sich betrachtet nicht prinzipiell günstiger sind, kann das wohl nur an unserem insgesamt besser geplanten und ökologischeren Einkaufsverhalten liegen (womit ich nun einen positiven Nebeneffekt bereits verraten hätte). Die teilweise teureren Einkäufe bei Lebensmitteln, haben sich also offenbar im Zusammenhang mit dem nachhaltigeren Konsumverhalten durchaus auch finanziell gelohnt.

Umkehrschluss und frohe Wünsche

Um mir nicht den Vorwurf von Wirtschaft schädigendem Verhalten auf Grund von Konsumverweigerung einzuhandeln (denn wie man uns stets vorspricht: „ Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut!“), möchte ich abschließend noch den Umkehrschluss aus dem bekannten Spruch ziehen:

Ginge es allen so gut, wie es uns zurzeit geht, so müsste die Wirtschaft geradezu Höhenflüge erleben. Aber es wäre dann vermutlich eine Wirtschaft, in der die Erhaltung unserer Gesundheit und eines intakten Lebensraums eine weitaus größere Bedeutung hätte und das Florieren der Wirtschaft weniger davon abhängig wäre, dass möglichst viel verbraucht und weggeworfen wird. Vielleicht wäre es eine Wirtschaft, in der die Qualität der Güter wichtiger wäre als die Quantität….

In diesem Sinn wünsche ich allen LeserInnen für das Jahr 2010 ganz viel Motivation, Kreativität und vor allem Spaß dabei, die plastikfreien Räume zu erweitern und freue mich schon auf Anregungen, Tipps, Erfahrungen und Meinungen zu meinen weiteren Berichten.

Plastikfreie Silvesterplanung

Hüttenzauber einmal anders!

Auch heuer werden wir- wie schon in den letzten Jahren- Silvester auf einer Hütte am Stoderzinken (Gröbming) verbringen. Unsere Freunde Sonja und Gerhard sind ebenfalls wieder mit von der Partie.

Da wir bereits am 30. Dezember anreisen und vorhaben bis 4. oder 5. Jänner zu bleiben, erfordert es natürlich einiges an Planung und Organisation, die gesamte Lebensmittel- und Trinkwasserversorgung (auf der Hütte gibt es nämlich nur Brauchwasser) für sieben Personen zu gewährleisten.

Der Umstand dass fast alle Mitreisenden ausgesprochene „Viel-Esser“ sind (ich selbst würde mich eher als „Normal-Esserin“ bezeichnen), hat dazu geführt, dass wir in den letzten Jahren immer ziemlich viel „Notration“ im Gepäck hatten. Und alles, was wider Erwarten nicht verbraucht wurde, sollte natürlich möglichst lange haltbar sein, um auch noch einen eventuellen Rücktransport heil zu überstehen. Das führte dazu, dass unsere Hüttentage sozusagen die „Hochsaison des Plastiks“ wurden.

Vorsichtshalber kauften wir nämlich alles, was möglich war in Plastik eingeschweißt, da diese Dinge eben meist eine deutlich längere Haltbarkeit besitzen. Schlecht wurde tatsächlich selten etwas- die Bergluft macht einfach unglaublich hungrig – aber wir hatten am Ende unseres Urlaubs eben doch immer noch eine ganze Menge Lebensmittel übrig, die wir wieder mit ins Tal nehmen mussten. Abgesehen davon war es extrem beeindruckend, wie viel Plastikmüll in diesen paar Tagen auf der Hütte jedes Mal zusammenkam. Dadurch, dass wir ihn selber wieder mit hinunter nehmen mussten, fiel uns das einfach besonders auf.

Heuer soll es anders werden! Ein gemeinsamer Versuch.

Dieser Silvester soll  natürlich anders werden. Bei der Menü- und Einkaufsplanung gab es allerdings ein paar Einwände:

  • Sonja fürchtete vor allem, nicht auf ihre tägliche Käseration zu kommen, wenn ich den Käse „offen“ einkaufen würde.

  • Gerhard hatte Bedenken bezüglich der notwendigen Menge an Brot (mein Vorschlag: 4 kg)

  • Sonja glaubte nicht, dass es Risottoreis ohne Plastikverpackung gibt

  • Ich war mir unsicher, wie wir 5 Liter Milch (die wir ja beim Bauern holen) auf den Stoder transportieren sollen, wo wir doch nur 2 Milchflaschen besitzen

  • Peter war ein wenig besorgt über die vorgeschlagene Biermenge (1 Kiste, wobei er eigentlich der einzige richtige Biertrinker in der Runde ist)

Nach einigen Diskussionen, konnten wir uns aber doch auf nahezu plastikfreie Lösungen einigen.

Nachdem ich vorgeschlagen hatte, Sonja solle sich doch eine „eingeschweißte Käse-Notration“ mitnehmen, gab sie ihre Zustimmung zum „offenen“ Käsekauf nach meinen Berechnungen. Beim Reis einigten wir uns darauf, notfalls „normalen“ Reis für das Risotto zu verwenden, und nachdem ich Gerhard über die positiven Frischhalteeigenschaften der Bioplastiksackerln aufgeklärt und wir als eiserne Reserve noch eine Brotbackmischung eingeplant hatten, fand die 4kg- Variante auch seine Zustimmung.

Die Milch werde ich einfach in leere Flaschen füllen, die danach nicht mehr gründlich ausgewaschen werden müssen, da sie ohnehin zum Altglas kommen.

Peters kleines Problem, ging in der ganzen Debatte allerdings unter. Ich denke, er war am Ende ganz froh, dass die Kiste selbst nicht in Frage gestellt wurde…

Grundsätzlich wird der Hüttenurlaub sicher eine kleine Bewährungsprobe für den plastikfreien Einkauf werden (vor allem bezüglich meiner Mengenberechnungen!!). Die Planung war ein wenig zeitaufwändiger als bisher, dafür sollte sich der Müllabtransport aber auf etwas Altglas beschränken.

Das Trinkwasser wird Gerhard diesmal in den Edelstahltanks seines Wohnmobils transportieren. Eine Variante, die uns auch schon in den Jahren zuvor Geld und vor allem eine riesige Menge an Plastikflaschen ersparen hätte können. Aber bisher hat eben niemand daran gedacht.

Sollte uns der „plastikfreie“ Hüttenzauber für 7 Personen auf dem Lebensmittelsektor tatsächlich etwas teurer kommen als im Vorjahr (was ich eigentlich aber nicht glaube), können wir uns jedenfalls damit trösten, dass wir nicht zu den 8,5 Millionen Euro beitragen werden, die (lt. „Kleine Zeitung“ vom 29.12.09) auch heuer wieder zu Silvester in die Luft geschossen werden.

Ein gewisses Risiko gehe ich aber natürlich schon ein, denn sollte uns trotz meiner exakten Planung tatsächlich das Essen ausgehen, werde ich wohl oder übel die ganze Hüttenbelegschaft zum Essen in eines der nahe gelegenen Gasthäuser einladen müssen. Und das ist dann bestimmt nicht plastikfrei…

Aber darüber werde ich gegebenenfalls im nächsten Jahr berichten, denn wie es aussieht, machen wir weiter….schließlich „geht uns ja nichts ab“, um es mit Marlenes Worten auszudrücken.

Vorerst wünsche ich allen einen guten Rutsch ins Jahr 2010 und falls jemand noch keine Idee für einen „plastikfreien“ Vorsatz hat: Stoffsackerl mitnehmen und Plastiksackerl im Geschäft lassen, wäre ein guter Anfang!